Liebe Landsleute!
In dieser Zeitung nehmen wir Abschied von 2 Burgenländern, die große Persönlichkeiten gewesen sind und viel für Land und Leute getan haben: Fred Sinowatz und Gerry Berghold.
Als Mitglieder einer Delegation waren 1971 Dr. Sinowatz und ich bei Landsleuten in Amerika. Mir ist aufgefallen, wie persönlich Sinowatz sich den Menschen zugewandt hat, wie geduldig er zuhören konnte und wie sehr ihm das Schicksal unserer Landsleute nahe ging. In Northampton waren Hunderte gekommen und wir feierten zusammen Wiedersehen und Abschied. Dr. Sinowatz, der ja Ehrengast war, setzte sich bald in eine stille Ecke und hat dieses Erlebnis auf sich einwirken lassen. Als gegen Ende der Veranstaltung die Musikkapelle das in Amerika am meisten gesungene Lied „In der Heimat, in der Heimat, da gibt’s ein Wiedersehen“ gespielt hat, kam eine Frau auf Sinowatz zu und sagte bewegt: „Eich geht’s guit. Ihr kennt’s huam fohn, mia miassn do bleibn.“ Sinowatz nahm alles gerührt auf und sagte mit Tränen in den Augen zu mir: „Das alles hätte ich nie gedacht.“

Obwohl Gerry Berghold schon in Amerika geboren ist, war er ein bewusster und begeisterter Burgenländer. 1993 war er in Güssing und suchte den Kontakt mit der Burgenländischen Gemeinschaft. Wenige Jahre später wurde er unser Ehrenmitglied und erhielt das Ehrenzeichen des Burgenlandes. Es war ein historischer Moment und sehr bewegend, als Gerry, von seiner Krankheit schon sehr gezeichnet, am 18. April 2007 in Anwesenheit von Mitgliedern der Burgenländischen Landesregierung in Northampton sein Werk an den neuen Präsidenten Tom Steichen weitergegeben hat.

Wenn ein Jahr zu Ende geht, merkt man wieder, wie schnell die Zeit vergeht, je älter man wird, umso schneller. Jetzt sind es schon 20 Jahre her, dass der Eiserne Vorhang abgebaut wurde. Mittlerweile ist eine Jugend herangewachsen, die diese schreckliche Grenze mit Stacheldraht, Minenfeldern und Wachtürmen gar nicht mehr kennt. Damals habe ich in unserer Zeitung geschrieben: „Bald wird es so sein, als wäre es nie anders gewesen“. So ist es auch geworden. Wer hätte das vor 30 Jahren gedacht?
So wie sich in der Vergangenheit vieles zum Guten gewendet hat, so wird auch gut, was wir in gutem Glauben anstreben. Mit dieser Zuversicht wollen wir kommende Weihnachten erleben und in ein neues Jahr gehen.

Dies wünscht Euch herzlich
Euer Walter Dujmovits

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Burgenlaendische Gemeinschaft 10-12 2008 Nr.408 Zeitungsarchiv, Serien