Der Freiheitskampf der Ungarn 1956
Nun sind es genau 50 Jahre her, als sich im Oktober 1956 die freiheitsliebenden Ungarn gegen die kommunistische Unterdrückung und sowjetische Besatzung erhoben haben. Es begann am 23. Oktober mit einer Demonstration von 300 Menschen vor dem Parlament in Budapest. Große Teile der kommunistischen ungarischen Armee liefen zu den Aufständischen über. Für wenige Tage durften sich die Ungarn über die lang ersehnte Freiheit freuen. Die Menschen aus den Nachbardörfern liefen aufeinander zu, umarmten sich und hofften, daß sie nie wieder durch einen Eisernen Vorhang getrennt werden.

Das Burgenland war ja erst 35 Jahre vorher von Ungarn nach Österreich gekommen. Die persönlichen und wirtschaftlichen Beziehungen diesseits und jenseits der Grenze waren noch aufrecht. Erst der Eiserne Vorhang nach 1945 hat die Menschen 40 Jahre lang voneinander getrennt.
Es war aber nur ein kurzer Traum.
Bereits in der Nacht vom 3. auf 4. November schlugen die Russen mit Panzern und Maschinengewehren den Aufstand nieder. Es gab mehr als 3.000 Tote und 19.000 Verwundete. Die Verzweiflung in Ungarn war groß. Fast 200.000 Menschen flüchteten in kurzer Zeit in den Westen. Viele nur mit dem, was sie am Leibe trugen. Unglaubliche 178.917 flüchteten in das Burgenland, welches damals das Tor zur Freiheit war, davon 70.000 über die legendäre „Brücke von Andau“. Männer fuhren Nacht für Nacht mit den wenigen Traktoren, die es damals gab, zum Einser-Kanal, um die Flüchtlinge zu holen. Auch in das mittlere und südliche Burgenland waren tausende Menschen geflüchtet.

Die Hilfsbereitschaft der Burgenländer war beispiellos. Sie war verbunden mit dem Dank für die erst ein Jahr vorher wiedergewonnene Freiheit und Unabhängigkeit Österreichs und mit der Angst, die Russen könnten wieder kommen. Langsam rollte auch die internationale Hilfe an. Auch der US-Vizepräsident Nixon war in das Burgenland gekommen. Große Hilfskolonnen rollten in Richtung Budapest. An vielen Stellen an der Grenze wurden den Ungarn von der Bevölkerung und vom Roten Kreuz Pakete mit Medikamenten, Verbandszeug und anderen notwendigen Hilfsgütern übergeben.

Die Revolution in Ungarn war die erste große Bewährungsprobe für Österreich. Zollwache, Gendarmerie und das ganz junge Bundesheer standen im Einsatz an der 400 Kilometer langen Grenze. Erst eine Woche vorher, am 15. Oktober 1956, sind die ersten Rekruten des neuen österreichischen Bundesheeres in die Kasernen eingerückt. Man hat sie dann ohne Ausbildung sofort an die ungarische Grenze gebracht.

Dann senkte sich die Nacht wieder über Ungarn.
Erst das Jahr 1989 hat die endgültige Freiheit gebracht.
 

 

BG-HomeSeitenanfang

Burgenlaendische Gemeinschaft 10-12 2006 Nr.400 Zeitungsarchiv, Serien