Erstauswanderer
Antau, Pöttelsdorf, Stöttera, Rattersdorf, Unterloisdorf, Wolfau, Zemendorf, Kr. Tschantschendorf
30. Fortsetzung

Das Gebiet zwischen Neusiedler See und Rosaliengebirge ist jener Teil des Burgenlandes, der Wien am nächsten liegt. Am Ende des 19. Jahrhunderts erfolgte in Wien die große Stadterweiterung und die Industrialisierung, wozu man viele Arbeiter brauchte. Viele Leute aus den Bezirken Eisenstadt und Mattersburg fanden dort Beschäftigung und brauchten nicht auszuwandern. Vielleicht hat es dort vorher auch schon einzelne Auswanderer gegeben, aber sie sind nicht überliefert, sieht man von einer sensationellen Auswanderung aus Antau ab, die unten beschrieben ist.

Der Bezirk Mattersburg weist drei Besonderheiten auf, die in keiner anderen Landschaft des Burgenlandes vorkommen:
Er ist der einzige Bezirk, wo die Amerikawanderung zahlenmäßig geringer ist als die in andere Zielgebiete. Nur 47% aller Auswanderer zogen nach Amerika, wobei die Auswanderung nach Südamerika erheblich höher liegt als nach Nordamerika. Dazu kommt, daß von diesem Bezirk Menschen in Länder ausgewandert sind, die innerhalb der burgenländischen Auswanderung nur eine geringe oder gar keine Rolle spielen: Südafrika, Chile, Südostasien.
 

Jahr  Ort  Name  (Geburtsjahr) Ziel ~
1875 Antau Wolfsbauer   Neuseeland
1907 Pöttelsdorf Binder   Chicago +
  Stöttera Robert Köller     +
  Rattersdorf Anton Berghofer   Chicago ++
  Unterloisdorf        
  Wolfau Matthias Igler (1888) Florida  
1908 Zemendorf Josefa Hanbauer   New York  
  Kr. Tschantschendorf        

Bis vor kurzem glaubte man, daß 1904 als erster ein gewisser Krems aus Antau ausgewandert ist. Der erste Auswanderer dürfte aber ein gewisser Wolfsbauer gewesen sein, der bereits 1875 nach Neuseeland (!) ausgewandert ist.

Um das Jahr 1907 ist Robert Köller aus Stöttera als vermutlich erster nach Amerika gefahren.

Etwa gleichzeitig ist aus Pöttelsdorf ein gewisser Binder nach Chile ausgewandert.

Die Auswanderung aus Rattersdorf im mittleren Burgenland richtet sich vor allem nach Kanada. Der erste, Anton Berghofer (Nr. 46), ließ sich allerdings in Chicago nieder.

Die Auswanderung aus dem benachbarten Unterloisdorf ist unbedeutend.

Aus dem südburgenländischen Dorf Wolfau wanderte als erster der 1888 geborene Matthias Igler nach Florida aus. Allerdings sind aus Wolfau und weiteren sieben anderen burgenländischen Dörfern im 19. Jahrhundert viele nach Slawonien, dem Gebiet zwischen Sawe und Drau in Kroatien ausgewandert.

Aus bereits oben genannten Gründen war die Auswanderung aus Zemendorf und Wulkatal aus dem Bezirk Mattersburg nicht bedeutend. Als erste wanderte Josefa Hanbauer 1908 nach New York aus.

Die Auswanderung aus Kroatisch Tschantschendorf bei Güssing hat im selben Jahr begonnen. Von dort sind bis 1939 insgesamt 41 ausgewandert, von denen 11 wieder zurückgekommen sind. Nach dem Zweiten Weltkrieg fuhren 15 nach Amerika, von denen 3 wieder zurückgekommen sind. Von diesem Ort waren viele in der landwirtschaftlichen Saisonarbeit beschäftigt. Im Jahre 1935 waren von den damaligen 187 Einwohnern 43 Personen (23%) auf Grünarbeit.
 

Fortsetzung folgt

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Burgenlaendische Gemeinschaft 4-6 2005 Nr.394 Zeitungsarchiv, Serien