Herbstliche Farbenspiele
Er zieht sich langsam zurück, der Herbst, mit all seiner farbenfrohen Pracht, die uns die Natur in der Zeit der Reife zu bieten hat. Die Schatten werden länger, und die Zeit, mit der wir oft all zu sorglos umgehen, wird kürzer - nicht nur die des Lichtes, auch jene, die uns bleibt, all das zu verwirklichen, was wir uns am Anfang dieses Jahres so fest vorgenommen haben. Mit bunten Feuerwerksgirlanden haben wir es in der Neujahrsnacht begrüßt und gute Wünsche mit uns nahestehenden Menschen getauscht.

Nun ist es an der Zeit, die letzte Ernte einzufahren, zu zählen, was an guten Taten auf der Habenseite unseres Wirkens zu buchen ist - und was wir versäumt haben, in unserer Gedankenlosigkeit. Eine bunte Palette sollte es sein, die wir an Positivem aufzeigen können, wenn es gilt, Rechnung zu legen. Doch wie bunte Blätter sind manche Hoffnungen welk geworden, eh‘ sie sich von uns gelöst - und scheinbar ins Nichts gesunken sind...

Nun bleibt uns noch ein wenig Zeit, die wir nützen sollten, um die Bilanz des sich neigenden Jahres ins Reine zu bringen. Nicht alles, was verloren scheint, ist auch tatsächlich nutzlos geworden: Wie die Blätter, die zu Nährboden für neues Leben werden, sollen uns auch negative Erfahrungen nützen, damit einst die Bilanz unseres Lebens ausgeglichen sei. Das ist unsere Aufgabe.
Der Mensch nimmt Farben gern als Symbole für sein Tun und Handeln, für gute und weniger gute Eigenschaften, für Unschuld, Glaube, Liebe, Hoffnung, Treue, Einkehr, Trauer etc. Farbe bekennen ist ein positives Element der Gesellschaft, der Menschen, ein Zeichen für Wertschätzung und die Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung. Doch all zu oft mutierten die Farben und Symbole zum Fanal infamer Eiferer, die - wenn sie nicht rechtzeitig in die Schranken gewiesen werden - nicht nur im sprichwörtlichen Sinn über Leichen gehen. Die Geschichte Europas in den letzten hundert Jahren ist Anlass genug, stets wachsam zu sein!

Es ist merklich kühler geworden, seit der Herbst seine Schatten über das Land gelegt hat und es gilt, genug Energie speichern, um für einen strengen Winter gerüstet zu sein. Die Kälte sollte nicht in unsere Häuser - und sie darf nicht in unsere Herzen!

Treten wir doch mit aller Kraft für ein friedliches Miteinander der Menschen in unserem Land ein! Frei sein in einem freien Land, das war vor nur einem halben Jahrhundert der innigste Wunsch aller Menschen in Österreich! Vergessen wir das nicht - und vergessen wir auch nicht, dass Recht und Freiheit des Einzelnen dort ihre Grenzen haben, wo jene des Anderen anfangen!

Heinz Koller

 

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Burgenlaendische Gemeinschaft 10-12 2005 Nr.396 Zeitungsarchiv, Serien