Neue Ideen im Zickental
 

Die Landwirtschaft im Burgenland macht seit den 70er Jahren einen großen Wandel durch. Von den alten Erwerbszweigen Ackerbau und Viehzucht können immer weniger Bauern leben. Viele haben ihren Beruf und ihre Wirtschaft aufgegeben.
Bauern, die im Beruf bleiben wollen, müssen neue Wege suchen, um wirtschaftlich auszukommen. Viele verkaufen selbst verarbeitete Produkte direkt an den Kunden. Der biologische Anbau wird immer wichtiger. Die Gewinnung von Holz, das in großen Heizwerken als Energielieferant gebraucht wird, nimmt ebenfalls ständig zu.
Auch im Zickental hat man begonnen, die Landschaft “neu” zu bewirtschaften. Im Zentrum steht das 10.000 Jahre alte Moor zwischen Rohr, Eisenhüttl und Heugraben. Es soll als Naturschutzgebiet erhalten bleiben, aber gleichzeitig für den Tourismus und die Landwirtschaft neue Einkommen möglich machen.
Durch das Moor ist vor zwei Jahren ein Weg angelegt worden, auf dem sich Wanderer über die Geschichte des Gebietes, die Tiere und Pflanzen informieren können. Derzeit werden Moorführer ausgebildet, die den Gästen vieles über die Natur erzählen können oder sie beim “Birdwatching” begleiten.
Auf den Wiesen rund ums Moor weidet seit April eine Herde von 24 Ochsen. Während überall sonst im Burgenland die Rinderweiden fast verschwunden sind, wird im Zickental diese Tradition wieder begonnen. Durch die Beweidung können die Wiesen, die sonst durch den Wald zuwachsen würden, erhalten bleiben. Das Fleisch der “Moorochsen”, das durch die natürliche Haltung besonders gut schmeckt, wird an Restaurants verkauft. Im Laufe der Jahre soll die Herde auf 120 Tiere anwachsen.
Rund ums Moor werden intensiv genutzte Felder umgewandelt. Statt Kukuruz, der viel Kunstdünger braucht, werden in Zukunft auf 50 Hektar Samengräser angebaut. Bei der Kirche in Rohr ist ein Kräutergarten angelegt worden. Auch diese Pflanzen sollen verwendet und ihre Produkte verkauft werden. Ob sich die Moorerde am Zickenbach auch für Gesundheitszwecke eignet, wird derzeit untersucht. Wenn die Tests positiv sind, könnte man die Erde für Kuren und Therapien verwenden.
Die traditionelle Landwirtschaft hat im Südburgenland immer weniger Chancen. Aber neue Kombinationen der Landwirtschaft mit Tourismus, Naturschutz oder Gewerbe haben auch in Zukunft gute Chancen. Deswegen wird das Projekt im Zickental auch von der Europäischen Union und der burgenländischen Landesregierung finanziell unterstützt.

Martin Wurglits

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Burgenlaendische Gemeinschaft 5/6 2004 Nr.389 Zeitungsarchiv