Bäuerliche Direktvermarktung
 
So nennt man den Verkauf bäuerlicher Produkte, wenn der Produzent ohne Zwischenhandel direkt dem Kunden gegenübersteht. Das kann auch am eigenen Hof sein. Dann nennt man es Hofladen. Im Südburgenland gibt es viele solche Direktvermarkter, die Brot backen, Fleisch verarbeiten, Schnaps brennen, Kernöl verkaufen, Honig ernten, Gemüse züchten, sowie Wein, Essig und Sekt erzeugen.

Vor 10 Jahren entstanden die ersten Bauernläden. Da wird nicht am Bauernhof sondern in einem Geschäft verkauft. Ein Bauernladen ist der Zusammenschluß mehrerer Direktvermarkter in eigenen Geschäften zu bestimmten Verkaufszeiten und mit einem breit gefächerten Angebot. Jeder Bauer bleibt Eigentümer seines Produktes. Er bedient sich lediglich einer Verkaufskraft. Der Bauer beliefert den Laden und, was nicht verkauft wird, nimmt er nach einiger Zeit wieder zurück. Dadurch ist garantiert, daß die Produkte immer frisch sind. Brot und Gebäck werden täglich angeliefert. Bei dieser Art von Selbstvermarktung bestimmt der Bauer selbst den Preis. Solche Bauernläden gibt es im Südburgenland in St. Martin/Raab, Bad Tatzmannsdorf, Rudersdorf, Stegersbach, Güssing, Gerersdorf, Güttenbach, Moschendorf, Buchschachen, Oberwart, Pinkafeld und Rechnitz.

Bäuerliche Produkte werden aber nicht nur in Bauernläden sondern auch wöchentlich auf Bauernmärkten verkauft. Diese finden im Freien statt. Die Bauern verkaufen am Stand nur ihre eigenen Produkte. Sie dürfen nichts dazukaufen. Die ersten Bauernmärkte sind vor 18 Jahren entstanden. Das Bild darunter zeigt den Verkaufsstand der Familie Schmidt (Deutsch Bieling) auf dem Marktplatz in Güssing.

Eine weitere Art der Direktvermarktung ist das fahrbare Bauernmobil. Im Südburgenland gibt es 3 Standorte für solche Bauernmobile (Strem, Olbendorf, Neustift/Lafnitz). Einmal pro Woche fährt der Bauer mit einem Auto in die einzelnen Ortschaften, so wie es sonst auch der Bäcker und Fleischer macht. Im Bauernmobil werden Produkte verschiedener Bauern verkauft.

Voriges Jahr wurde mit dem Projekt Bauernkastl begonnen. Die Grundidee ist, daß örtliche Kaufhäuser, Wirtshäuser, Restaurants und andere Gewerbebetriebe nebenbei auch bäuerliche Produkte anbieten. Es gibt aber keine Zusammenarbeit mit kommerziellen Großketten. Ein Bauernkastl ist ein Kastl aus Holz. Darin werden nur Produkte von längerer Haltbarkeit angeboten: Wein, Schnaps, Honig, Tee, Kräuter, Teigwaren, Getreide, Mehl, Kernöl, Essig, Marmelade, Bohnen, Nüsse, Uhudler, u.a. sowie bäuerliches Kunsthandwerk. Die jeweiligen Gewerbetreibenden und anbietenden Bauern teilen den Gewinn.

Im gesamten Burgenland gibt es 15 Bauernläden, 14 Bauernkastl, 8 Bauernmärkte, 3 Bauernmobile und unzählige Hofläden.

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Burgenlaendische Gemeinschaft 5/6 2004 Nr.389 Zeitungsarchiv