Blochziehen in Bad Tatzmannsdorf
 

 

Das Blochziehen ist ein noch lebender Faschings- und Vorfrühlingsbrauch, vor allem im südlichen und mittleren Burgenland. Wenn in einem Dorf im Fasching keine Hochzeit stattfindet, wird von der Dorfjugend ein besonders langer, dicker mit Girlanden geschmückter Fichtenstamm, die sogenannte „Waldbraut“, durch den Ort gezogen. In den dichten Kronenästen sitzt ein als „Hahn“ (Fruchtbarkeitssymbol) verkleideter Bursche. Ganz vorne, am dicken Ende des Bloches, steht oder sitzt der „Bräutigam“. Er soll die „Waldbraut“ heiraten, da kein Mädchen sich zur Heirat entschlossen hat.
In Bad Tatzmannsdorf läßt man diesen alten Brauch alle 10 Jahre wieder aufleben. Am Sonntag, dem 25. Jänner 2004 war es wieder so weit. Vier starke Pferde zogen das 35 m lange Bloch durch den Kurort. Der „Waldbraut“ folgten der Hochzeitszug mit dem Ausstattungswagen, dem Hauswagen und zahlreiche weitere Wagen, die von den verschiedenen Vereinen phantasievoll geschmückt wurden. Die Blochbegleiter waren in Tracht gekleidete Burschen und Mädchen des Dorfes.
An verschiedenen Plätzen wurde Halt gemacht und mit heiteren Versen das „Brautausbitten“, das „Vorziehen“ und zum Schluß die „Trauung mit Kranzl-abtanzen“ so echt wie nur möglich in lustiger Art und Weise nachvollzogen.
Mehr als 3000 Schaulustige aus allen Teilen des Landes kamen, um bei diesem großen Fest dabeizusein. Sie erlebten ein großes Spektakel mit viel Musik, Spaß und Schabernack, bei dem es Essen und Trinken in Hülle und Fülle gab und auch wertvolle Preise verlost wurden.
Das Blochziehen ist ein Beitrag, unsere Ortsbevölkerung, den vielen Gästen aus der Umgebung, aber auch den Kurgästen altes Brauchtum unseres Landes in Erinnerung zu rufen und andererseits das Zusammengehörigkeitsgefühl durch die Einbindung aller Vereine in unserem Kurort zu stärken.

Eduard Nicka
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Burgenlaendische Gemeinschaft 3/4 2004 Nr.388 Zeitungsarchiv