| Erstauswanderer Kirchfidisch, Kleinmürbisch Glasing, Rehgraben, Steingraben 16. Fortsetzung |
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Gegen Ende des Jahrhunderts begann man mit dem Bau des Panama-Kanals, zu dem man riesige Mengen Zement brauchte. Dieser wurde in Lehigh Valley in Pennsylvania gefunden. Die Zementmühlen in der Gegend von Allentown, Northampton und Coplay gaben tausenden Burgenländern Arbeit und Brot. Insofern waren zumindest mittelbar auch Burgenländer am Bau des Panama-Kanals beteiligt.
Vom ersten Auswanderer aus Kirchfidisch ist nur bekannt, daß er seine Heimat 1894 verlassen hat und nach Kalifornien gezogen ist. Sein Name ist nicht überliefert. So zogen auch die ersten Auswanderer aus Kleinmürbisch bei Güssing in die Zementgruben Pennsylvaniens. Zu diesen zählt auch ein Mann namens Hammerl, der nach Coplay, und eine Frau, Karoline Eker, die nach Allentown gezogen ist. Im Jahre 1893 (es könnte auch 1894 gewesen sein) haben 3 oder 4 junge Männer aus Glasing und St. Nikolaus in Strem Wein gestohlen und dann die Fässer im Wald mit Reisig zugedeckt und so versteckt. Als man dies entdeckte, sind sie, ohne sich zu verabschieden, nach Amerika gefahren und sollen dann in den Zementmühlen von Coplay gearbeitet haben. Glasing, heute ein Ortsteil von Güssing, liegt hinsichtlich der relativen Auswandererzahl innerhalb der 59 Dörfer des Bezirkes Güssing nach Tudersdorf und Strem auf den 3. Platz. Es leben heute mit Sicherheit doppelt so viele Glasinger und deren Nachkommen in Amerika als daheim. Der Großteil von ihnen ließ sich in New York nieder. Zwischen 1946 und 1958, also innerhalb von nur 12 Jahren sind 43 junge Glasinger nach Amerika ausgewandert bei einer Einwohnerzahl von 218 im Jahre 1951, das sind nahezu 20 Prozent der Bevölkerung oder fast die gesamte Jugend. Als letzter ist im Jahre 1965 Helmut Stampf nach New York gezogen. Zum erstenmal sind im Jahre 1953 als erste Glasinger 3 Frauen nach Amerika zu Besuch ihrer Verwandten nach Amerika gefahren. Beachtlich ist die Spendenfreudigkeit der ausgewanderten Glasinger. Für die Renovierung der Kirche spendeten sie 1926 mehr als die Hälfte des nötigen Betrages (5.200 Schilling), 1949 ebenfalls den größten Teil (4.800 Schilling). Für die Motorspritze (16.300 Schilling) sammelten allein die ausgewanderten Franz Adlovits und Johann Unger 7.125 Schilling. Für die Außenrenovierung der Kirche (41.000 Schilling) im Jahre 1965 kamen aus Amerika 25.000 Schilling. Die Brüder Tretter aus Glasing führten eine Gaststätte im World Trade Center in New York, welche am 11. September 2001 auf tragische Weise zerstört wurde. Nach Gerersdorf (1894) sind ein Jahr später auch die Nachbardörfer im Zickental von der Auswanderung erfaßt worden. Von dort zogen fast alle in die Zementmühlen Pennsylvaniens. Als erster ist aus Rehgraben Johann Bodisch (30.6.1856) mit seiner Frau Katharina aufgebrochen. Sie verließen am 8.8.1895 mit dem Schiff „Weimar“ den Hafen von Bremen und kamen nach genau 3 Wochen, am 29.8.1895, in New York an. Von dort ging es dann weiter nach Coplay. Aus Steingraben ist ein gewisser Muik 1895 nach Coplay gefahren.
Er hatte dort durch einen schweren Arbeitsunfall ein Bein verloren und
mußte wieder nach Steingraben zurück. Dort ist er bald darauf,
wahrscheinlich im Jahre 1905, gestorben. |
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| Burgenlaendische Gemeinschaft 9/10 2003 Nr.385 | Zeitungsarchiv, Serien |