Erstauswanderer
Pinkafeld, Andau, Moschendorf, Oberdorf, Sumetendorf
14. Fortsetzung
 

Es ist erfreulich, daß im Bezug auf die Erstauswanderung nun eine Korrektur und eine Ergänzung notwendig ist: Ein Nachfahre von Nikolaus Wahrmann in Amerika (Burgenland-Bunch) hat nachgewiesen, daß die Erstauswanderung aus Andau nicht wie bisher geglaubt 1882 stattgefunden hat sondern möglicherweise bereits mit seinem Vorfahren im Jahre 1880. Harald Friedrich hat wieder einen brieflichen Nachweis, daß sein Vorfahre 1873 Pinkafeld verlassen hat und möglicherweise der erste Auswanderer aus diesem Ort ist.
 

Jahr  Ort  Name  (Geburtsjahr) Ziel ~
1873 Pinkafeld Andreas Friedrich (1856) New York
1880 Andau Nikolaus Wahrmann   Kansas
1893 Moschendorf Georg Reinisch   Nazareth +
1894 Oberdorf Simon Konrath     +
Sumetendorf        

Nikolaus Wahrmann und seine Frau Anna (Tongisch) verlassen mit ihren 4 Kindern Andau Nr. 180 und kamen mit dem Schiff „Westphalia“ am 31.3.1880 in New York an. Von dort fuhren sie nach Rawlins County (Kansas) weiter, wo sie sich ansiedelten. Gleichzeitig (wahrscheinlich mit demselben Schiff) fuhren Annas Geschwister nach Amerika: Lorenz Tongisch mit Frau Anna (Lang) Nr. 90 mit 3 Kindern; Susanne (Tongisch) mit Ehemann Johannes Sattler Nr. 24 mit 5 Kindern; Andreas Tongisch mit Frau und 2 Kindern. Dazu kamen noch: Anton Weishapl mit Ehefrau Theresia und 4 Kindern sowie Martin Schwarz mit Frau und 2 Kindern. Insgesamt zogen 32 Personen nach Rawlins County.

Andreas Friedrich war in der Textilfabrik seines Onkels Putsch & Friedrich in Pinkafeld angestellt. Im Jahre 1873 hat man ihn nach Linz geschickt, um dort Wolle für die Stofferzeugung einzukaufen. Doch er machte sich mit diesem Geld aus dem Staub und fuhr nach Amerika. Erst als er dieses „geborgte“ Geld zurückgezahlt hatte, hat sich der verschollen geglaubte mit einem Brief daheim gemeldet. In New York hatte er sich ein Vermögen erarbeitet, mit dem er vor 1908 nach Pinkafeld zurückkehrte. Er wurde Mitinhaber der Textilfabrik und ist während eines Kuraufenthaltes in Karlsbad in Böhmen am 1.9.1921 gestorben.

Die Amerikawanderung am Pinkaboden ist von Moschendorf ausgegangen. Bereits 1893 ist Georg Reinisch als erster nach Amerika und hat sich in Nazareth (Pennsylvanien) niedergelassen. In Folge ist er mehrmals über den Ozean gefahren, schließlich daheim geblieben und in Moschendorf gestorben. Die „Oberwarther Sonntags-Zeitung“ schrieb am 9.8.1903, daß aus Moschendorf wieder 30 Personen ausgewandert sind, darunter 10 Mädchen zwischen 14-18 Jahren und ein Knabe von 14 Jahren. In den Jahren 1922/23 sind 59 Personen weggezogen. Insgesamt sind bis 1939 (Einwohnerzahl 745 Personen)aus Moschendorf 281 Personen nach Amerika ausgewandert. Ungewöhnlich hoch ist die Zahl der Rückwanderer. Von den 281 Auswanderern sind wieder 180 (= 42%) zurückgekommen. Heute ist Moschendorf auch deswegen von Bedeutung, weil dort seit 1993 jährlich das Auslandsburgenländertreffen (Picnic) stattfindet.

Der erste Amerikawanderer aus Oberdorf war Simon Konrath (geb. 1866, Nr. 165). Bald nach ihm und noch vor der Jahrhundertwende wanderten aus: Leopold Halper, Jakob Konrath (Hausname: Müllner-Jogl), Josef Neubeck Nr. 150, Johann Halper (Hausname: Mesner, Nr. 149), Simon Halper und der Wirt Anton Lorenz mit seiner Frau Maria. Noch vor 1903 sind weitere 9 Personen ausgewandert. Diese erste Auswanderungswelle endete mit der Familie Halper im Jahre 1907.

Die Amerikawanderung aus Sumetendorf begann ebenfalls im Jahre 1894. Die bedeutendsten unter ihnen sind die Priesterbrüder Domitrowitsch (siehe Seite 11 - Auswandererschicksal).

Fortsetzung folgt

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Burgenlaendische Gemeinschaft 5/6 2003 Nr.383 Zeitungsarchiv, Serien