Güssing - 30 Jahre Stadt



Güssing feiert heuer mit einer Reihe großer Veranstaltungen das 30-Jahr-Jubiläum der Stadterhebung.
Güssing hat eine große Vergangenheit. Allein Burg und Kloster sind unübersehbare Zeugnisse dafür. Beide haben in den letzten Jahrhunderten das Bild einer ganzen Landschaft geprägt. Ebenso lang war Güssing auch der Mittelpunkt des politischen und wirtschaftlichen Lebens im heutigen Südburgenland. Durch die Erhebung zur Stadtgemeinde 1973 wurden diese Vergangenheit und die Leistungen der Bevölkerung gewürdigt. Seit 1996 ist Güssing auch offiziell die „Stadt der Auslandsburgenländer“.

Graf Wolfer und sein Bruder Heinrich begründeten um das Jahr 1140 das Geschlecht der „Grafen von Güssing“ und errichteten eine Burg auf dem Berg „Kiscen“ sowie die noch heute stehende Jakobikirche am Fuße des „Monte Quizin“. Der Burgberg wurde also ursprünglich „Kiscen“, dann „Quizin“, später auch „Gising“ genannt, bis der heutige Name „Güssing“ entstanden ist. Im Dialekt wird die Stadt immer noch „Gissing“ genannt.
Da die Burg immer mehr zum militärischen, vor allem aber auch zum geistigen und wirtschaftlichen Zentrum ausgebaut wurde, entwickelte sich am Fuße der Burg reges wirtschaftliches Leben. Bereits1520 wurde Güssing von König Ludwig II mit den Rechten einer Stadt ausgezeichnet, die später allerdings wieder verlorengegangen sind.

Mit Gründung des Franziskanerklosters Güssing durch Adam Batthyany im Jahre 1648, durch den Baubeginn des Kastells Batthyany und des Schlosses Draskovich im 18. Jahrhundert sowie die Errichtung eines Bezirksgerichtes und durch den Bau des Krankenhauses im 19. Jahrhundert gewann Güssing immer mehr an Bedeutung. Nach den Wirren der beiden Weltkriege war auch das wirtschaftliche Leben in Güssing stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Von 1899-1945 gab es auch eine Eisenbahnstrecke von Güssing nach Körmend. Gleich nach Kriegsende 1945 begann der „bestellte“ (nicht gewählte) Gemeinderat unter dem Druck der russischen Besatzung mit dem Wiederaufbau der Gemeinde.1950 konnte der erste frei gewählte Gemeinderat seine Arbeit aufnehmen. Das Rathaus wurde errichtet, die Grabenstraße ausgebaut, mit Wohnungsbau, Kanalbau, Wasserleitungsbau begonnen und eine öffentliche Beleuchtung installiert. 1963 wurde das Schwimmbad errichtet. Ein moderner Kindergarten wurde in Betrieb genommen. Im Schuljahr 1963/64 nahm das Musisch-pädagogische Bundesrealgymnasium den Unterricht auf. Auf Initiative der Gemeinde konnte mit dem Neubau der Schulgebäude, der Bezirkshauptmannschaft, des Bundesamtsgebäudes (Bezirksgericht, Vermessungsamt, Gendarmerie) begonnen werden. Die bisher selbständigen Gemeinden Steingraben, Glasing und Urbersdorf wurden mit 1. Jänner 1971 der Großgemeinde Güssing eingemeindet.

Den Mühen und Plagen der Gemeindeväter und der Bevölkerung von Güssing, die für das Aufblühen des wunderschönen Ortes am Fuße der mächtigen Burg Güssing verantwortlich zeichneten, ist es zu verdanken, daß im Jahre 1973 die Großgemeinde Güssing wiederum zur „Stadtgemeinde Güssing“ erhoben wurde. Auf dem vollbesetzten Hauptplatz haben am Sonntag, dem 24. Juni 1973 Landeshauptmann Theodor Kery und Landesrat DDr. Rudolf Grohotolsky dem Bürgermeister Karl Holper in feierlicher Form die nachstehende Urkunde überreicht:
Seit der Stadterhebung hat Güssing einen in diesem Ausmaß nicht erwarteten Aufschwung genommen. Dieser vollzog sich in mehreren Bereichen:
Neben dem Ausbau der Schulen und Errichtung entsprechender Gebäude wurden das Gymnasium und die Höhere Bundeslehranstalt für wirtschaftliche Berufe gegründet. Vor kurzem erfolgte die Einrichtung einer Landwirtschaftlichen Fachschule mit Pferdewirtschaft.

Als Kulturstadt hat Güssing ein besonderes Profil erhalten. Mit dem Bau des Kulturzentrums sind Großveranstaltungen in Güssing möglich, zu welchen die „Güssinger Musiktage“, die „Güssinger Begegnung“ und der „Güssinger Kultursommer“ gehören. Burg und Burgspiele sind besondere Anziehungspunkte, das „Historische Stadtfest“ im August ein Höhepunkt im Jahresablauf.
Im wirtschaftlichen Bereich hat sich Güssing zum „ Zentrum für erneuerbare Energie“ entwickelt. Die großen Wälder in der Umgebung liefern Holz für ein Fernwärme-Heizwerk und für ein Kraftwerk zur Stromerzeugung. Aus Raps wird in Güssing Bio-Sprit erzeugt. Auf diesen Gebieten könnte sich Güssing - wenn auch nur in geringem Maße - von der Abhängigkeit von Erdöl lösen, denn Warmwasseraufbereitung, Heizwärme und Treibstoff können in Güssing erzeugt werden. Die Wertschöpfung bleibt im Lande. Außerdem wurde in den letzten 10 Jahren in der Industrie- und Gewerbezone mehr als 500 Arbeitsplätze geschaffen.

Eine wichtige Investition in die Zukunft ist der Tourismus mit neuen Hotels und Sportanlagen in einer natürlichen und gesunden Umgebung. Erholungsgebiete sind der „Naturpark Weinidylle“, der „Naturpark Urbersdorf“, die stillen Wälder und die schönen Dörfer. Ein besonderer Wert ist die Gastfreundschaft der Menschen.

Gilbert Lang, Oberamtmann

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Burgenlaendische Gemeinschaft 3/4 2003 Nr.382 Zeitungsarchiv