Erstauswanderer
Rosenberg, Güttenbach, Rohrbach/Mattersburg, Bernstein, Miedlingsdorf, Zahling, Deutsch Tschantschendorf
11. Fortsetzung

Es soll noch einmal daran erinnert werden, daß bei mancher Auswanderung das Jahr nicht genau bekannt ist. Bei einer mit + gekennzeichneten Eintragung ist eine Abweichung von 1 bis 2 Jahren, bei einer mit ++ gekennzeichneten eine solche von 2 bis 3 Jahren möglich.
 
Jahr  Ort  Name  (Geburtsjahr) Ziel ~
1890 Rosenberg Pöltl  
  Güttenbach Franz Novakovits   Pittsburgh
1891 Rohrbach/Matt. Josef Berger    
  Bernstein       +
  Miedlingsdorf Paul Eichberger      
  Zahling Josef Reichl (1871) Allentown  
1892 D. Tschantschendorf       ++

Im Jahre 1890 (es könnte auch 1891 gewesen sein) wanderte ein gewisser Pöltl aus Rosenberg (ein Ortsteil von Güssing) nach Amerika aus. Zu den ersten Auswanderern zählt auch die Familie Mühl, deren Auswanderergeschichte gut erforscht ist: Der 1875 geborene Josef Mühl kam 1903 nach Allentown und verdiente dort sein Brot als Wanderschneider. 1905 ließ er seine Mutter Johanna (1845-1931) und seine am 15. August 1885 geborenen Zwillingsschwestern Hedwig und Franziska nachkommen. Hedwig heiratete noch im selben Jahr (16.10.1905) den Witwer Alois Sorger, der wahrscheinlich der erste Auswanderer von Güssing gewesen ist. Hedwig starb 1978. Ihre Schwester Franziska heiratete den 1878 geborenen Samuel Walitsch, der wahrscheinlich der erste Auswanderer aus Neusiedl/Güssing gewesen ist.

Der erste Auswanderer aus Güttenbach war vermutlich Franz Novakovits, der 1890 (vielleicht schon 1888/89) nach Pittsburgh gezogen ist. Kurz nach der Jahrhundertwende kam er zurück und wanderte 1914 wieder aus und kehrte nach dem Ersten Weltkrieg für immer nach Güttenbach heim. Von seinen 6 Kindern sind 5 nach Amerika ausgewandert und dort auch geblieben.

Aus Rohrbach/Mattersburg wanderte als erster Josef Berger aus. Es ist aber nicht bekannt, wohin er gezogen ist.

Die Auswanderung aus Bernstein begann im Jahre 1891 und erreichte sehr bald hohe Zahlen. Der 1892 ausgewanderte Tischlergeselle Johann Heissenberger hat es in Amerika zu beachtlichem Reichtum gebracht. In der Folge hat er wiederholt hohe Geldbeträge in sein Heimatdorf Bernstein und in die umliegenden Dörfer geschickt.

Am 8.2.1891 berichtete die „Oberwarther-Sonntagszeitung“ , daß aus Miedlingsdorf der Maurer Paul Eichberger zu Waffenübungen nach Ödenburg einberufen wurde, von wo er Frau und Kinder verlassend nach Amerika verschwand.

Mit Josef Reichl (geb.17.2.1871) begann die Auswanderung aus Zahling im Bezirk Jennersdorf. Sein Auswandererschicksal haben wir in unserer Zeitung (Nr. 377) abgedruckt. Am 17. Mai 1891 hatte er Zahling verlassen. Er war ein gelernter Schuster und ist in Allentown in seinem Beruf untergekommen. Dann landete er in einem für einen Burgenländer ungewöhnlichen Beruf. Er wurde Croupier in einem Spielcasino. Schließlich wurde er Hotelmanager und am Ende selbst Eigentümer eines Hotels. Zu seinem 100. Geburtstag am 17.2.1971 hat ihm der damalige Präsident Richard Nixon einen Brief geschrieben. Aus Zahling stammt auch der 1920 geborene Julius Gmoser, der von 1961-85 Präsident der Burgenländischen Gemeinschaft gewesen ist.

Von Deutsch Tschantschendorf ist nur bekannt, daß die Auswanderung um 1892 begonnen hat.
 

Fortsetzung folgt

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Burgenlaendische Gemeinschaft 11/12 2002 Nr.380 Zeitungsarchiv, Serien