Erstauswanderer
Rauchwart, Grodnau, Bad Tatzmannsdorf, Inzenhof, Großmürbisch, Hammerteich
8. Fortsetzung

Als Josef Urschik 1884 von Rauchwart auswanderte und sich in Lehigh Valley (Pennsylvania) niederließ, hat er in zweifacher Hinsicht ein neues Kapitel in der Geschichte der burgenländischen Amerikawanderung aufgeschlagen. Er war nämlich der erste Auswanderer aus dem Bezirk Güssing und der erste Einwanderer in Lehigh Valley (Coplay, Allentown, Northampton usw.).
Der Bezirk Güssing, der als letzter von der Auswanderungswelle erfaßt worden war, wurde zur Kernlandschaft der burgenländischen Amerikawanderung und zum bedeutendsten Auswandererbezirk in ganz Mitteleuropa. In den 20er Jahren kam jeder 11. deutschsprechende Auswanderer auf einem Auswandererschiff allein aus diesem Bezirk. Bis 1939 sind von dort 9.500 Personen ausgewandert, davon 8.200 in Amerika geblieben, das sind 21 % aller im Bezirk Güssing geborenen Personen. Im Jahr 1996 wurde Güssing von der Burgenländischen Landesregierung zur „Stadt der Auslandsburgenländer“ proklamiert. Dort befindet sich auch das Auswanderermuseum und das Büro der Burgenländlschen Gemeinschaft.
 
Jahr  Ort  Name  (Geburtsjahr) Ziel ~
1884  Rauchwart  Josef Urschik  (1859)  Coplay
1885  Grodnau  Ludwig Eichberger   Philadelphia
Bad Tatzmannsdorf Franz Kirnbauer  
Inzenhof   North Coplay
1886  Großmürbisch Weber, Forjan    
1887 Hammerteich  Treiber, Mayer  

Josef Urschik ist 1884 von Rauchwart ausgewandert und hat dann wie viele seiner nachgekommenen Landsleute in den Zementmühlen gearbeitet. Diese hatten damals Hochkonjunktur, weil sie den Zement für den Bau des Panamakanals lieferten. Josef Urschik ist wieder zurückgewandert und im Schreckensjahr 1945 in Rauchwart gestorben.

Der bedeutendste Auswanderer aus Grodnau ist John Wenzel. Aber nicht er war der erste sondern Ludwig Eichberger, der fünf Jahre vor ihm weggezogen ist und sich in Philadelphia niedergelassen hat. John Wenzel kam 1890 nach Chicago und begründete dort die große Burgenländerkolonie, die in der Folgezeit auf 30.000 angewachsen ist und Chicago zur größten Burgenländerstadt der Welt gemacht hat. Wenzel brachte als erster im Jahre 1900 die legendären 45 „Pioniere von Chicago“ dorthin. Wenige Monate später, im April 1901, wanderten allein aus Grodnau wieder 32 Personen aus.

Als wahrscheinlich erster aus Bad Tatzmannsdorf ist Franz Kirnbauer ausgewandert. Am 5.5.1885 hat er mit seiner Frau und seinen 2 Töchtern Tatzmannsdorf verlassen.

Bereits ein Jahr nach Urschik sind die ersten aus Inzenhof nach Pennsylvania gefahren. In den 30er Jahren lebten in Allentown 10.000 Burgenländer, so viele wie heute in Eisenstadt. Die ersten Auswanderer aus Inzenhof, die namentlich bekannt sind, waren Josef Köppel (geb. 7.2.1874) und Maria Soldarits, die am 1.4.1896 mit dem Dampfer „Friesland“ Europa verlassen haben und am 12.4.1896 in New York angekommen sind. Bald darauf ist ein gewisser Jost nachgefahren. Bis 1930 sind aus dem kleinen Dorf Inzenhof bei Güssing (heute 338 Einwohner) mehr als 200 Personen ausgewandert, von denen 30 später wieder zurückgekommen sind.

Aus Großmürbisch begann im Jahre 1886 mit Josef Weber (Nr. 7) und Josef Forjan (Nr. 51) die Amerikawanderung. 

Die ersten Auswanderer aus Hammerteich waren Michael Treiber (geb. 1870), der mit seinem Freund Josef Mayer 1887 nach Amerika gefahren ist. 

Fortsetzung folgt

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Burgenlaendische Gemeinschaft 5/6 2002 Nr.377 Zeitungsarchiv, Serien