(Fortsetzung des in
der letzten Ausgabe veröffentlichten Beitrages)
Die zweite Filiale, die ich zu betreuen hatte, war Glasing. Dort hatte ich in der einklassigen Volksschule Dienstag und Freitag in der Früh eine Schülermesse und Religionsunterricht.
Die erste bis achte Schulstufe unterrichtete der heutige Oberschulrat Josef Tretter. Glasing war nur mit Stiefeln über die Wiesen zu Fuß erreichbar. Am Ortseingang versank ich mit den Stiefeln im Kot. Mein erstes Frühstück nach der Schülermesse bekam ich im Haus Tretter, dem damaligen ,,Kirchenvater". Frau Tretter meinte es gut mit mir und stellte mir zum Frühstück eine Eierspeise auf den Tisch, die im Schmalz geschwommen ist. Ich bat die gute Frau Tretter, das Schmalz abzuseihen, weil wir in der Gefangenschaft kein Fett bekommen hatten. Es hat sich dann im Dorf herumgesprochen: ,,Der Gfori will's nicht fett."
Zum Kirtag in Glasing feierten wir ein feierliches Hochamt mit drei Priestern. Damals war dies noch möglich. Da sagte ein Ministrant zum anderen: ,,Woast, wegn wos san denn heit drei Gfori do?" Der andere antwortete: ,,Damit's gschwinda firti san". Er dachte wahrscheinlich, daß es bei der heiligen Messe so ist wie beim Mähen.
Nach dem Religionsunterricht und nach der Sonntagsmesse in Glasing wurde der ,,Gfori" auch zum Mittagessen eingeladen. Eines Tages passierte mir in einem Haus folgendes:
Als ich bei dem Festmahl, das auch an Wochentagen dem Gfori angeboten wurde, schon einen Teller von dem köstlichen Mahl gegessen hatte, sagte die gute Hausfrau: ,,Herr Gfori, nehmens Ihna no amol aussa, sie essen jo gornix, sans net fremd, toans beissn, daß tringa kenna, za den is jo do." So nahm ich mir nach dieser freundlichen Einladung noch einmal etwas auf den Teller. Nachher sagte die liebevolle Hausfrau zur Nachbarin: ,,Der Gfori, der hot gfressn!" Das könnte man beleidigend auffassen, aber die gute Hausfrau hat es sicher so gemeint: Dem hat es geschmeckt.
Als Kaplan hatte ich auch die Ministranten, Jungschar und Jugend zu betreuen. In jeder Filiale, in Glasing, Neustift, Krottendorf, Rosenberg und Langzeil so wie in Güssing gab es eine Jugendgruppe, getrennt für Burschen und Mädchen. So war ich fast jeden Abend zu einer Heimstunde bei einer Gruppe unterwegs. Wir haben auch Theater gespielt in Glasing und Langzeil und sogar auf der Wiese vor der Burg. Es waren gleichsam die bescheidenen Anfänge der Burgspiele.
Wir gingen auch auf Tournee, spielten vor der Kirche in Deutsch Schützen, im Burghof von Eberau, in einem Gasthaus in Bocksdorf und fuhren sogar nach Großhöflein. Mit den Ministranten machten wir vom 8. August 1948 eine dreiwöchige Fußwanderung durch das Burgenland bis an die Donau.
So war es vor 50 Jahren.
P.Leopold Prizelitz
Da Pater Leopold in den nächsten Wochen seinen 85. Geburtstag und bald auch sein Diamantenes Priesterjubiläum feiern wird, wollen wir diesen Bericht mit unseren besten Glückwünschen verbinden.
Dr. Walter Dujmovits.
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