Die Burgenländischen Kroaten
 


Im Jahre 1533 sind die ersten Kroaten in das heutige Burgenland gekommen. Als Zugezogene in einem fremden Land, hatten sie es am Anfang sehr schwer. Immer um friedlichen Ausgleich bemüht, haben sie sich in die deutsche Umgebung harmonisch eingefügt, ohne ihr eigenes Volkstum aufzugeben. Niemals haben sie mit den Deutschen und Ungarn gestritten, mit denen sie zusammenlebten. Durch viele Jahrhunderte haben sie treu zur katholischen Kirche gehalten. Sie waren auch immer um eine gute Schulbildung bemüht. So ist es kein Zufall, dass sich die Liste jener Kroaten, die führende Positionen im öffentlichen Leben einnehmen oder eingenommen haben, sehen lassen kann:
In der gegenwärtigen Bundesregierung gibt es gleich 2 Minister, die Kroaten aus dem Burgenland sind: Nikolaus Berlakovich aus Nebersdorf und Norbert Darabos aus Kroatisch Minihof. Dazu kommen der 1. Präsident des Landtags Walter Prior aus Siegendorf und Klubobmann Christian Illedits aus Draßburg. Die gegenwärtige Volksanwältin Terezija Stoisits kommt aus Stinatz. Der erste Bischof des Burgenlandes, Stefan László, kam aus Trausdorf, der erste Landeshauptmann nach dem Krieg, Lorenz Karall, aus Großwarasdorf. Dazu kommt eine lange Reihe von Künstlern und Wissenschaftlern.
Auch innerhalb der Burgenländer in Amerika waren Kroaten führend. Kolly Knor aus Güttenbach und John Radostits aus Neuberg waren die Präsidenten der Burgenländischen Gemeinschaft in Chicago. Heute ist es Karl Billisits aus Dürnbach. Tessie Teklits in Pennsylvania ist aus dem kroatischen Prostrum (Ungarn) eingewandert. Eine geschlossene Gruppe stellen die Kroaten in South Bend dar.
Auch die Kroaten in Wien haben ihre eigenen Gemeinschaften mit eigenen Publikationen: „Hrvatsko Gradiscansko Kulturno Drustvo u Becu“ („Put“) und „Hrvatski Akademski Klub“ („Novi Glas“). In Presse und Fernsehen gibt es Nachrichten in kroatischer Sprache. Es gibt eine Wochenzeitung („Hrvatski Novine“) und die kroatische Kirchenzeitung „Glasnik“. Außerdem gibt es täglich 42 Minuten im Radio und jeden Sonntag 30 Minuten im Fernsehen.
Die kroatische Sprache wird noch immer bei Gottesdiensten, in Schulen und Kindergärten gepflegt. Jedes Jahr im August gibt es die große Wallfahrt der burgenländischen Kroaten nach Mariazell. Daran nehmen auch Kroaten jenseits der Grenze aus Ungarn und der Slowakei teil.
In kroatischen und gemischtsprachigen Gemeinden sind zweisprachige Ortstafeln aufgestellt. In machen Dörfern gibt es auch kroatische Gassenbezeichnungen.
Ein besonderer Höhepunkt war 1992 die Eröffnung des Zweisprachigen Gymnasiums in Oberwart. Diese Schule ermöglicht Kindern aus kroatischen und ungarischen Familien eine höhere Ausbildung in ihrer Muttersprache. Es bleibt zu hoffen, dass im Burgenland das kroatische Element auch in Zukunft erhalten bleibt und so unser Land kulturell bereichert.
Das kroatische Schulwesen ist sicherlich die Basis für die Erhaltung der kroatischen Identität im pannonischen Raum. Lieder, so schön sie auch sein mögen und Trachten, so schillernd sie auch wirken, sind nur die Hülle für etwas, was es gilt, im Kern zu erhalten. 500 Jahre haben wir uns hier behaupten können, ich hoffe auf weitere 500 Jahre.
Martin Zsivkovits

 

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Burgenlaendische Gemeinschaft 10-12 2009 Nr.412 Zeitungsarchiv