Erstauswanderer
Großwarasdorf, Neuhaus/Warth, Kleinbachselten, Landsee

29. Fortsetzung  
 

Mit mehr als 3000 Personen erreichte die Amerikawanderung im Jahre 1905 ihren Höhepunkt. Der zweite Höhepunkt und die absolute Spitze ist das Jahr 1923, wo innerhalb von 10 Monaten 6.683 Personen ausgewandert sind. Das sind monatlich im Durchschnitt 600 Personen, das heißt, in jedem Monat ein ganzes Dorf!

Jahr  Ort  Name  (Geburtsjahr) Ziel ~
1905 Großwarasdorf  Persusic, Eisingerich   South Bend  
  Neuhaus/Warth Patrick Jagerhofer   New York  
  Kleinbachselten Josef Plank      
1906 Landsee  Franz Unterainer (1885)    

Die gewaltige Auswanderungsbewegung aus Großwarasdorf richtet sich zum größtenteil nach South Bend, wo sie einen erheblichen Anteil der dortigen kroatischen Bevölkerung bildeten. Nachdem in South Bend die Fabrik „Studebaker“, die anfangs Kutschen und später Autos erzeugt hatte, wo auch viele Großwarasdorfer beschäftigt waren, zugesperrt hat, sind viele von ihnen nach Chicago gezogen. Die ersten Auswanderer waren Ive Perusic (Nr. 49, Hausname: Jakljovi) und Ive Eisingerich (Nr. 59, Hausname: Nadasevi). Sie ließen sich in South Bend nieder. Beide waren vorher in Wien beschäftigt, Perusic als Tischler, Eisingerich als Maurer. Aufgrund ihrer ermunternden Briefe folgten ihnen im Frühjahr 1906 Eduard Behofsic (Nr. 99, Hausname: Bujnkovi) und Ferdinand Miholic (Hausname: Smitov), damals ein bekannter Schnapsbrenner und Schmuggler. Bald danach zog Eisingerich seine Geschwister Jakov, Kate und Reza, sowie seinen Freund Karol Müller (Sturi) nach. Bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges hat die Auswanderung aus Großwarasdorf die stattliche Zahl von 300 Personen bereits überschritten. Pfarrer Martin Mersic hatte 1936 eine ziemlich genaue Zählung durchgeführt und kam zu dem Ergebnis, daß bis zu diesem Jahr 452 aus Großwarasdorf nach Wien und etwa 400 Personen nach Amerika gezogen sind. Nach dem Zweiten Weltkrieg sind nur mehr 18 aus Großwarasdorf nach Amerika ausgewandert. Im Jahre 1924 haben die ausgewanderten Großwarasdorfer ihrer Heimatkirche eine Fahne zum Geschenk gemacht. In den 20er Jahren hatte ein in Großwarasdorf ansässiger Lehrer Josef Thüringer mit Erfolg für die Auswanderung nach Südamerika geworben.

Neuhaus in der Warth liegt bereits im Übergangsbereich der Chicago-Wanderung (Bezirk Oberwart) zur New York-Wanderung (Bezirk Güssing). Von den 43 Auswanderern zogen 13 nach Chicago, 28 nach New York und 2 nach Michigan. Der erste war Patrick Jagerhofer, der 1905 nach New York gefahren ist. Im Jahre 1909 fuhr Michael Obojkovits nach Florida. Dort arbeitet er zunächst als Gärtner. Später spekulierte er mit Ölaktien und hat damit ein beträchtliches Vermögen gemacht. Als „Obojko“ kam er 1956 wieder in sein Heimatdorf. In Erinnerung an seine dürftige Schulbildung hat er damals die Volksschule großzügig mit Lehrmitteln ausgestattet. Vor seinem Tode hat er der Schuljugend von Neuhaus eine beträchtliche Geldsumme hinterlassen mit der Auflage, im Dorf ein Schwimmbecken zu errichten. Dieses wurde 1970 zwar fertiggestellt, aber die Quellen der Ortswasserleitung reichten für die Füllung nicht aus. Das Bad wurde nie in Betrieb genommen.

Aus dem benachbarten Kleinbachselten sind angeblich nur 9 Personen ausgewandert. Der erste war Josef Plank im Jahre 1905.

Der 1885 in Temesvár geborene Franz Unterrainer war als Soldat in Wiener Neustadt stationiert. Damals lernte er ein Mädchen kennen, das in Landsee (Nr. 77) wohnhaft war. Sie haben geheiratet und sich anschließend kurz in Landsee niedergelassen. Von dort sind sie 1906 nach Amerika ausgewandert.
 

Fortsetzung folgt

 
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Burgenlaendische Gemeinschaft 1-3 2006 Nr.397 Zeitungsarchiv, Serien