| Erstauswanderer Grieselstein, St. Martin/Raab, Windisch Minihof, Schachendorf, Neudauberg, Olbendorf 26. Fortsetzung |
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In der Zeit der „Old Immigration“ oder „Siedlungswanderung“ zogen die Burgenländer in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis an die Indianergrenze in den mittleren Westen (Dakota, Nebraska, Kansas), wo sie freies Land billig oder unentgeltlich erwerben konnten. Sie waren dort alle Bauern. Mit Ende des Jahrhunderts beginnt die „New Immigration“ oder „Industriewanderung“. Die Burgenländer zogen nur noch bis Chicago, wo sie als Bauhilfsarbeiter, beim Eisenbahnbau oder in den Seifen- und Fleischfabriken Arbeit fanden. Im Jahre 1902 wird als letzte der burgenländischen Einwanderungslandschaften New Britain im Staat Connecticut erschlossen, wohin viele aus dem südlichsten Burgenland (Bezirk Jennersdorf) gezogen sind.
Heute ist Grieselstein ein Ortsteil von Jennersdorf. Von dort ist als erste Ludmilla Hindler nach New Britain ausgewandert und war dort eine der ersten aus dem Burgenland. Mit einem gewissen Kern beginnt 1902 die Auswanderung aus St. Martin/Raab. Der große Heimatdichter Josef Reichl lebte eine Zeitlang dort bei seinen Eltern. Die Erfahrungen, die er dort mit der Auswanderung gemacht hat, hat er in seinem Stück „Landflucht“ niedergeschrieben. Dieses Stück wurde in den Jahren 2000 und 2001 mit großem Erfolg auf der Burg Güssing aufgeführt. Die meisten Auswanderer aus Windisch Minihof südlich der Raab im Bezirk Jennersdorf sind nach New Britain gezogen. Auch Veronika Leiler (1866), die als erste ihr Heimatdorf verlassen hat. Aus Schachendorf, einem kroatischen Dorf an der ungarischen Grenze, sind die ersten im Jahre 1903 weggezogen. Drei Jahre später ist Johann Polany nach Chicago ausgewandert. Seine schwangere Frau hat er zurückgelassen, weil er sich zuerst um Arbeit umsehen wollte. Gleich nach der Niederkunft sollte sie ihm folgen. Es kam nicht dazu. Noch im Jahr der Einwanderung 1906 ist er als Bauhilfsarbeiter verunglückt. Ein Baugerüst ist zusammengebrochen. Dabei sind 40 Leute ums Leben gekommen. Die meisten waren aus dem Burgenland. Polany war einer von ihnen. Die Auswanderung kurz vor und bald nach dem Ersten Weltkrieg führte zu erheblichen Bevölkerungsverlusten in Schachendorf. Fast alle sind nach Chicago gezogen und sind dort Mitglieder des 1908 gegründeten „Ersten Eisenburger Deutsch-Ungarischen Kranken-Unterstützungsverein“ geworden. Wegen der Nähe der Fabriken von Neudau und Burgau war die Auswanderung aus Neudauberg unbedeutend. Als erste soll um das Jahr 1903 Johanna Stranzl nach Amerika gefahren sein. Von allen Dörfern des Bezirkes Güssing hatte Olbendorf immer die
größte Anzahl von Saisonarbeitern. In der Zwischenkriegszeit betrug ihr
Anteil bis zu 23% der Bevölkerung. Die meisten waren im nichtagrarischen
Bereich tätig (Straßen-, Eisenbahn- und Telegraphenbau). Olbendorf liegt
auch im Überschneidungsgebiet verschiedener Auswanderungslandschaften. So
siedeln Olbendorfer in 12 verschiedenen Zielgebieten in den USA und in
zwei verschiedenen in Kanada, ferner in Argentinien, Australien und
Neuseeland. Insgesamt sind 141 ausgewandert, von ihnen nur 7 wieder
zurückgekommen. Als erste wanderten Thomas Graf, Samuel Graf und Josef
Erkinger 1904 nach Philadelphia aus. Mit ihnen war auch ein Bursch aus
Untermühl, einem Ortsteil der bereits zu Rauchwart gehört, auf dem Schiff
nach Amerika. Fortsetzung folgt |
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| Burgenlaendische Gemeinschaft 7-9 2005 Nr.395 | Zeitungsarchiv, Serien |