Erstauswanderer
Loipersbach, Horitschon, Krottendorf b.G., Neumarkt a.d.R.,
Nikitsch, Frankenau
20. Fortsetzung
 Die Amerikawanderung , die überall im Burgenland schon im Gange gewesen war, hatte das geschlossene kroatische Siedlungsgebiet im östlichen Teil des heutigen Mittelburgenland noch nicht erreicht. Mit dem Beginn des neuen Jahrhunderts setzte in Nikitsch und Umgebung die Auswanderung massiv ein. Sie war stärker als in den umliegenden deutschen Dörfern. Die ersten Auswanderer zogen nach South Bend, einem Ort 80 Meilen östlich von Chicago. Dorthin haben sie auch ihre Freunde und Verwandten nachgezogen. Fast alle arbeiteten bei der Firma Studebaker, die anfangs Pferdekutschen und später große Autos erzeugte. Der Mittelpunkt ihres gesellschaftlichen und geistigen Lebens war der Verein „Sveti Antonia Druztvo“ (St. Anton Sick Benefit Society). Dieser wurde am 1.1.1905 von 13 Männern gegründet, von denen 6 aus Nikitsch, 4 aus Kroatisch Minihof und 3 aus Unterpullendorf gekommen waren.
 
Jahr  Ort  Name  (Geburtsjahr) Ziel ~
1898 Loipersbach      
1899 Horitschon Anton Mayerhöfer (1882) South Bend
  Krottendorf b.G. Josef u. Karl Malits   Allentown  
  Neumarkt a.d.R. Josef Wallitsch (1870) Allentown  
1900 Nikitsch Karazmann   South Bend  
  Frankenau        

Das Dorf Loipersbach liegt an der Bahnlinie Wiener Neustadt - Ödenburg und war daher räumlich nicht so isoliert. Dies mag der Grund gewesen sein, warum von dort nur wenige nach Amerika ausgewandert sind. 45 Auswanderer sind in die USA gezogen, einige kamen wieder zurück. In der Zwischenkriegszeit sind 18 nach Kanada gefahren. Von den Auswanderern nach 1945 ist keiner mehr zurückgekommen.

Der erste Auswanderer aus Horitschon war Anton Mayerhöfer. Als er 1899 nach South Bend kam, traf er dort bereits Franz Weniger, der mit seiner Frau und seinem Sohn 1889 aus Pamhagen gekommen war. Franz Weninger war ein gebürtiger Horitschoner und Vater des später berühmten Priestergelehrten Franz Weninger, der auch Dekan an der Universität South Bend gewesen ist. Anton Mayerhöfer hat in South Bend zuerst als Zuckerbäcker und später als Farmer gearbeitet.

Die beiden Cousins Josef und Karl Malits sind 1899 von Krottendorf bei Güssing nach Allentown gekommen. Einer von ihnen ist dann nach Chicago weitergezogen.

Aus dem südlichsten Burgenland, aus Neumarkt an der Raab, haben Josef Wallitsch (geb. 15.12.1870) und seine Frau Stella am 20. Mai 1899 Europa mit dem Schiff verlassen. Sie ließen sich in Allentown nieder.

Der erste Auswanderer aus Nikitsch war zugleich der erste Kroate in South Bend. Er hieß Karazmann und hat bei seiner Einwanderung bereits Anton Mayerhöfer und andere Landsleute, von denen angeblich auch welche aus Unterpullendorf und Neckenmarkt gewesen sind, angetroffen. Er blieb nur kurze Zeit und zog dann nach Milwaukee weiter. Die nächsten waren die wirklichen Pioniere der kroatischen Einwanderung und waren in South Bend geblieben: Johann und Ludwig Tomcic sind 1902 eingewandert. Ein Jahr später kamen die Brüder Anton, Albert und Andreas Kuzmich sowie Mathias Leopold. Diese 6 haben auch den St. Antons-Verein mitbegründet. Die Brüder Kuzmich waren ledig, die übrigen 3 waren zwar verheiratet, aber ihre Frauen blieben in Nikitsch. Die erste Kroatenhochzeit in South Bend fand im Jahre 1906 statt: Paul Kuzmich heiratete Christine Bajerich.

Aus dem kroatischen Dorf Frankenau sind die ersten ebenfalls im Jahre 1900 ausgewandert. Es ist anzunehmen, daß auch sie nach South Bend gezogen sind.

Fortsetzung folgt

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Burgenlaendische Gemeinschaft 5/6 2004 Nr.389 Zeitungsarchiv, Serien