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Die vorweihnachtliche Zeit war voller Ahnungen und Wünsche. Nie vermochte
ich mir zu erklären, wieso meine Geschwister schon Tage vorher um die
Gaben des Christkindes wußten. Sie meinten, sie hätten es über das Dach
hinwegfliegen sehen. Am Heiligen Abend mußte ich früh ins Bett. Die Tür
wurde hinter mir versperrt. Sonst käme das Christkind nicht, hieß es. Ich
betete solange inbrünstig, bis ich endlich einschlief. Nach der Mette
wurde ich geweckt und meines Staunens über die Märchenpracht des
Lichterbaumes war kein Ende.
Wir hatten einen Ziehbruder aus Wien. Der war ein
abgebrühter Junge und ganz wild auf das Zuckerwerk. Der Behang des Baumes
wurde immer schütterer. Als wir empört auf die leeren Fäden hinwiesen,
lachte er hellauf, bestritt aber jede Täterschaft. Bald mußten wir
entsetzt feststellen, daß einige Zuckerpapiere leer und traurig am Baum
hingen. Auf unsere bewegte Klage ging er vorsichtiger zu Werke und blies
die leeren Hüllen zur vollen Fülle auf. Auch dahinter kamen wir, weil wir
die Papiere behutsam abtasteten. Er bezug weidlich Schläge und künftig
schien nichts mehr zu fehlen. Erst nach dem Abräumen des Baumes am
Dreikönigstage wurde offenbar, daß der Nichtsnutz den Zucker gegen
gleichgroße Holzklötzchen vertauscht, diese wieder säuberlich eingewickelt
und uns schnöde geprellt hatte.
Dr. Hans Ponstingl
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