So war es damals...
Erinnerungen an die Kindheit
Weihnachtszeit
 


Die vorweihnachtliche Zeit war voller Ahnungen und Wünsche. Nie vermochte ich mir zu erklären, wieso meine Geschwister schon Tage vorher um die Gaben des Christkindes wußten. Sie meinten, sie hätten es über das Dach hinwegfliegen sehen. Am Heiligen Abend mußte ich früh ins Bett. Die Tür wurde hinter mir versperrt. Sonst käme das Christkind nicht, hieß es. Ich betete solange inbrünstig, bis ich endlich einschlief. Nach der Mette wurde ich geweckt und meines Staunens über die Märchenpracht des Lichterbaumes war kein Ende.

Wir hatten einen Ziehbruder aus Wien. Der war ein abgebrühter Junge und ganz wild auf das Zuckerwerk. Der Behang des Baumes wurde immer schütterer. Als wir empört auf die leeren Fäden hinwiesen, lachte er hellauf, bestritt aber jede Täterschaft. Bald mußten wir entsetzt feststellen, daß einige Zuckerpapiere leer und traurig am Baum hingen. Auf unsere bewegte Klage ging er vorsichtiger zu Werke und blies die leeren Hüllen zur vollen Fülle auf. Auch dahinter kamen wir, weil wir die Papiere behutsam abtasteten. Er bezug weidlich Schläge und künftig schien nichts mehr zu fehlen. Erst nach dem Abräumen des Baumes am Dreikönigstage wurde offenbar, daß der Nichtsnutz den Zucker gegen gleichgroße Holzklötzchen vertauscht, diese wieder säuberlich eingewickelt und uns schnöde geprellt hatte.

Dr. Hans Ponstingl

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Burgenlaendische Gemeinschaft 11/12 2003 Nr.386 Zeitungsarchiv, Serien