80 Jahre Luising bei Österreich
 

Als das Burgenland 1921 zu Österreich kam, blieb das kleine Dorf Luising bei Ungarn. Das war für die Bewohner besonders bitter, weil die für die Luisinger zuständige Kirche, die Schule und der Friedhof in Hagensdorf, also nunmehr im Ausland, lagen, da Hagensdorf zu Österreich gekommen war. Hagensdorf und Luising, das war ein gewachsener, schwer zu trennender Lebensraum.
Der mutige Pfarrer Josef Mischinger (Pfarrer in Hagensdorf und Luising von 1917-77, also 60 Jahre lang) scharte ein paar mutige Bauern um sich und begann für den Anschluß an Österreich zu agitieren. Zuerst wandten sie sich an die Bezirks- und Landesbehörden. Als das nichts half, machten sich Rudolf Wiener, der mir diese Geschichte erzählt hat, und sein Freund Thomas Pail, der später nach Amerika auswanderte, auf den Weg nach Ödenburg, wo sie von der Interalliierten Grenzkommission empfangen wurden.
Als die Magyaren dies erfuhren, versuchten sie zunächst mit Versprechungen, dann mit Drohungen diese Intervention zu unterbinden. So kam eines Tages der zuständige Notär Szombathelyl aus Pinkamindszent nach Luising, ließ den Ort von 30 Gendarmen umstellen und wollte die Bauern zwingen, ihre Unterschrift auf ein vorbereitetes Papier zu setzen, das den Verbleib des Dorfes bei Ungarn forderte. Nur einer ließ sich einschüchtern und unterschrieb. Als die Repressalien zunahmen, mußte ein Teil der Männer nach Österreich flüchten. Dann änderten die Ungarn wieder ihre Methode:
In der Nacht vom 18. zum 19. Juli 1922 überfiel eine Einheit ungarischer Freischärler, die sich in der Nähe der Mühle von Ungarisch Bieling gesammelt hatten, den Ort Hagensdorf, der von 50 österreichischen Gendarmen und Volkswehrmännern aus Graz verteidigt wurde. Dieser Angriff wurde abgeschlagen.


Den Höhepunkt und zugleich die größte Gefahr brachte der 20. August. Für diesen Tag war die von den Luisingern erbetene Interalliierte Grenzkommission angemeldet. Der Notär Szombathelyl verschwieg die Ankunftszeit, die für 10 Uhr angesetzt war, weil er wußte, die Luisinger würden wie jeden Sonntag um diese Zeit in der Sonntagsmesse in Hagensdorf sein. Daher besetzte er mit 50 ungarischen Bauern aus Pinkamindszent und mitgebrachten ungarischen Fahnen das Dorf. So sollte der Kommission eine falsche Stimmung und ein von Magyaren besiedeltes Dorf vorgetäuscht werden. Zum Glück hatten die Alliierten Verspätung, weil die Straßen so schlecht waren. Als sie um 16 Uhr in Luising eintrafen waren die Luisinger Bauern wieder zurück und das Dorf zeigte sich wieder österreichisch gesinnt. Die Alliierten kamen zu der Entscheidung, die die einzig richtige war: Luising kommt zu Österreich!

Bei aller Freude darüber soll aber nicht vergessen werden, daß an jenem 10.Jänner 1923, als österreichische Truppen in Luising einmarschierten, 10 Gemeinden, die schon bei Österreich gewesen waren, wieder nach Ungarn zurückfielen: Klein- und Großnahring, Ober- und Unterschilding, Ober- und Unterradling, Deutsch und Ungarisch Großdorf, Prostrum und Pernau.
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Burgenlaendische Gemeinschaft 5/6 2003 Nr.383 Zeitungsarchiv