Am End’ aller Stunden voll sinnloser Müh
zu Mittag, am Abend, bei Nacht, in der Früh
erwartet das Bett mich gewaltig zu Haus
und füllt von der Wand her den Wohnschacht halb aus......
(Franz Kramer)
Diese Zeilen von Franz Kramer erwecken in mir Erinnerungen an meine Betten
in frühen Jahren, die oft mehr als Schlafstätten waren.
Das erste Bett an welches ich mich erinnere und in
welchem ich manchmal mit meiner Tante Hanni schlief, stand in der Ecke in
einem Holzhaus in Oberbergen/Wörtherberg. Vor ein paar Jahren
fotografierte ich das Haus; die Läden fest verschlossen, die grüne Tür
schief, aus den Angeln gehoben und ungeschickt verriegelt (dieses Haus
steht jetzt verpflanzt im Erlebnisbauernhof in Litzelsdorf im
Südburgenland). Und drinnen versteckt liegen Erinnerungen an meine
Kindheit - eine warme Stube im schwachen Licht der Petroleumlampe;
heimisch knistert das Feuer im schmiedeeisernen Ofen und die
Petroleumlampe am Nachttisch warf zitternde Schatten über den Plafond,
halbschwarz vom Rauch. Das Haus stand am Rande des Waldes; im Sommer fiel
sanftes Licht durch die Blätter des Nußbaumes vor dem Fenster und im
Winter brauste und stöhnte der Wind durch die hohen Tannen und durch die
Lücken in den Fenstern. Es war meine Wiege, mit einer grünen Tür.
Auch mein Bett im Schlafzimmer meiner Eltern hatte
einen Strohsack als Matratze und manchmal auch einen „Gschali-Sack“. Im
Herbst füllten wir den Sack mit frischem „Gschali“ und es war eine wahre
Wonne am Ende des Tages in diesen Berg von Weichheit zu sinken. Das Bett
duftete; die getrockneten Kukuruzblätter dufteten vom Sonnenschein des
vergangenen Sommers. Im Sommer, wenn die Fenster offen blieben, lauschte
ich den Schreien der Frösche und manchmal bemerkte meine Mutter: „Oi, heit
schrein wida die Fresch; do wirds bold regnan.“ Der Regen kam und sang ein
Lied. Außerhalb unseres Schlafzimmers war eine Weinhecke; im Sommer waren
die Weinblätter weich und geschmeidig und der Regen fiel sanft auf die
Blätter und ich schloß meine Augen zu diesem sanften Regenlied. Im Herbst
waren die Blätter trocken und die Regentropfen trommelten ein härteres
Lied.
Mein Bett hatte Jahreszeiten. Meine Großmutter und
Mutter backten Brot, soviel ich mich erinnere, sieben Laibe alle vierzehn
Tage - und für eine Weile war mein Bett die Wiege für diese neugeborenen
warmen Brotlaibe; sie wurden zum Auskühlen auf mein Bett gelegt. An
solchen Abenden duftete mein Bett köstlich von frisch gebackenem Brot und
war kuschelig warm. Der Geruch von frisch gebackenem Brot erinnert mich
bis zum heutigen Tag an ein warmes Bett.
Im ärgsten Winter wärmten wir unsere Schlafstätten mit
heißen Steinen. Die Steine wurden im Ofenrohr oder auf der Ofenplatte
„aufgewärmt“, in weiche Windeln gewickelt und für eine Weile liebkosten
die Füße diese warmen Steine. Die Liebelei endete bald; zur halben Nacht
hörte man einen „Tuscher“, wenn die kalten Steine aus dem Bett fielen.
Weihnacht - selige Weihnachtszeit und da war ich wohl
am glücklichsten. Neben meinem Bett stand der Christbaum. In der warmen
Stube verbreitete sich der würzige Geruch des Tannenbaums. Schneelicht
schien durch die Fenster und im Halbdunkel konnte ich die Umrisse des
Christbaumes erkennen; seine Zweige überhingen mein Bett, überhingen meine
Träume und ich war im siebenten Himmel.
Annemarie Sahloul-Fugger, London
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