Erstauswanderer
Mogersdorf, Poppendorf, Eltendorf, Stegersbach
10. Fortsetzung

Im März 1890 erreicht von Ungarn kommend die Auswanderungswelle die heutige Grenze bei Heiligenkreuz und löst im unteren Raabtal und im unteren Lafnitztal eine gigantische Auswanderungswelle aus. Gleichzeitig beginnt auch die Einwanderung nach Allentown in Pennsylvanien, wohin die meisten Auswanderer dieser Jahre gezogen sind.

Über diese Massenauswanderung schreibt die „Oberwarther Sonntags-Zeitung“ am 30.3.1890:
„Das Auswanderungsfieber nach Amerika hat auch unsere Gegend epidemisch angesteckt. In jeder Woche fährt ein Trupp ab nach dem „gelobten Land“. Familienväter verkaufen das letzte Stück Vieh, verlassen in den denkbarst elendsten Verhältnissen Weib und Kinder und steuern dem vermeintlichen Glück zu.“

Jahr  Ort  Name  (Geburtsjahr) Ziel ~
1890  Mogersdorf  Franz Maier   Allentown
  Poppendorf     Allentown
  Eltendorf Johann u. Mathias Duld   Allentown  
  Stegersbach   Northampton

Der erste Amerikawanderer aus Mogersdorf war Franz Maier (Nr. 96). Er zog wie fast alle in dieser Zeit nach Allentown. Sein Sohn Franz (1876-1937) ebenfalls in Pennsylvania war in erster Ehe mit Rosa Korpitsch aus Mogersdorf, Nr. 89 (vulgo „Türk“) verheiratet. Nach ihrem Tod heiratete er deren Schwester Augusta (1883-1937). Zu den frühen Auswanderern gehört auch Maria Dax. Sie ist 1901 nach Pittsburgh ausgewandert, kam 1905 schon wieder zurück, ist dann anschließend noch dreimal ausgewandert und immer wieder heimgekehrt. Kein Wunder, daß man sie im Dorf nur mehr die „Mary Tant“ nannte.

Nach Aussage von Josef Reichl (Auswanderschicksal, Zeitung Nr.377) ist im November 1890 ein Dienstmädchen aus Poppendorf nach Allentown gekommen. Sie war als erste aus diesem Dorf ausgewandert. Der erste namentlich bekannte Poppendorfer war Andreas Mirth (geb. 23.4.1869), der mit Karoline aus “Lochzahn“ am 16.6.1893 mit dem Schiff „Upland“ in New York angekommen ist. Am 18.10.1903 schreibt die „Oberwarther Sonntags-Zeitung“: „In Poppendorf sind nur Weiber, alte Männer und Kinder zu Hause geblieben“. Ähnliches geschah in der unmittelbaren Nachkriegszeit ,als 99 junge Poppendorfer ihre Heimat verließen, das waren 1/6 der gesamten Bevölkerung. Allein 1953/54 fuhren 50 Poppendorfer nach Nordamerika.

Der oben erwähnte Josef Reichl, der im Jahre 1891 nach Allentown gekommen war, berichtet auch, daß ein Jahr vor ihm die Brüder Johann und Mathias Duld aus Eltendorf, Nr. 93 (dort gab es später einmal eine Greißlerei) nach Allentown kamen. Sie haben dort in einer Brauerei gearbeitet. Zu den ersten Auswanderern aus Eltendorf gehören auch Michael Mirth (29.5.1859) mit seiner Frau Julie, die am 9.2.1891von Amsterdam abgereist sind. Erst genau einen Monat später, am 9.3.1891 kamen sie mit der „Amsterdam“ in New York an. Sie ließen sich in Bethlehem nieder.

Die ersten Auswanderer aus Stegersbach waren 2 verheiratete Frauen. Die eine zog 1890 nach Northampton, kehrte 1899 wieder zurück, die andere zog 1895 nach Millwaukee und blieb dort. Da der Ort Stegersbach im Stremtal liegt und dort erst 10 Jahre später die Auswanderung eingesetzt hat, ist anzunehmen, daß beide Frauen nicht bodenständige Männer aus dem Lafnitztal geheiratet haben. Die ersten namentlich bekannten Auswanderer waren Franz Sabara, der 1900 nach Pennsylvania und Josef Popofsits (geb. 1866), der 1902 nach Chicago zog und dann 1906 seine Tochter Anna, verh. Piplits nachkommen ließ.

Fortsetzung folgt

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Burgenlaendische Gemeinschaft 9/10 2002 Nr.379 Zeitungsarchiv, Serien