Burgenland - Land der Vielfalt
Das Burgenland ist ein Bundesland wie jedes andere, nicht besser und nicht schlechter, aber anders. So wird das Burgenland oft auch als „Land der Vielfalt“ (a country of variety) bezeichnet. Es ist ein Land, in dem es innerhalb der bodenständigen Bevölkerung in sprachlicher, konfessioneller und regionaler Hinsicht große Unterschiede gibt. So leben hier Deutsche, Kroaten, Magyaren, Zigeuner (Roma); Katholiken, Evangelische, Reformierte. Dazu kommen die Einwanderer, unter denen es viele Mohammedaner (Moslem) gibt und Menschen aus verschiedenen Ländern, die ihre Kulturen mitbringen. Aus dem Land der Auswanderer ist zu einem gewissen Teil schon ein Land der Einwanderer geworden.

Aus den genannten Gründen ist das Burgenland innerhalb Österreichs das am meisten europäische Bundesland, weil vieles, was Europa ausmacht, im Burgenland im Kleinen schon vorhanden ist. Auf der anderen Seite könnte man sagen, daß das Burgenland, das am wenigsten österreichische Bundesland ist. Einerseits, weil es erst seit 81Jahren zu Österreich gehört und vorher tausend Jahre lang ein Teil des Königreiches Ungarn war und andererseits, wenn man die Bundeshymne als Definition Österreichs heranzieht („Land der Berge, Land am Strome, Land der Äcker, Land der Dome...“). Das Burgenland hat keine hohen Berge, die Donau fließt an uns vorbei und einen Dom gibt es nur in Eisenstadt.

Auch in regionaler Hinsicht ist unser Land nicht einheitlich. Die Menschen im Norden sind anders als die im Süden. Die Lebensformen, die Lebensbeziehungen und auch die Dialekte sind verschieden. Früher gab es sogar in jedem Dorf einen anderen Dialekt. Wenn einer zu reden begann, konnte man bald herausfinden, von welchem Dorf er kam. Allerdings wächst das Land nun immer mehr zusammen. Es ist nur zu hoffen, daß in künftigen Einheit die Vielfalt dennoch erhalten bleibt. Das Schönste an dieser Vielfalt ist ja, daß sich die unterschiedlichen Leute auch vertragen und friedlich zusammenleben. 

Diese Gedanken sind die Grundlage der offiziellen burgenländischen Kulturpolitik, die in dem Motto zusammengefaßt ist: 
                                          „Vielfalt fördern - Neues ermöglichen“.
Die erste Aufgabe der gegenwärtigen Kulturpolitik ist die Erweiterung der kulturellen Infrastruktur. Das kostet Geld. Kultur kostet immer viel Geld und bringt wenig Geld auf direktem Wege. Aber auf Umwegen ist auch Kultur ein wichtiger Faktor der burgenländischen Wirtschaft. 
In den 70er Jahren entstanden „Kulturzentren“ in den großen Städten des Landes, „Kulturhäuser“ in Oberwart, Großpetersdorf, Oslip usw. , die Gemeinde Wiesen beherbergt jährlich das große Jazzfest. Eisenstadt ist zur „Haydn-Stadt“ geworden und gewinnt international zunehmend an Bedeutung.

Ein wesentliches Element der Kulturszene stellen die Burgenländischen Festspiele dar, angeführt von den „Seefestspielen in Mörbisch“. Die ingesamt 14 Kultur-Festivals des Landes hatten im letzten Jahr insgesamt 460.000 Besucher. Sie sind nicht nur ein künstlerischer und kommerzieller Erfolg sondern auch ein wichtiger Imageträger für unser Land. Wer mehr darüber wissen will, möge im Internet nachsehen unter:   http://www.burgenland.at/kultur

Ein Höhepunkt des heurigen „Güssinger Kultursommers“ waren wieder die Burgspiele. Wie jedes Jahr stand auch heuer wieder ein Stück aus der Geschichte des südlichen Burgenlandes auf dem Programm. Unter dem Titel „Am Grenzweg“ wird das Leben des Petjaren Jósko Savanyú beschrieben. Er war ein populärer Räuberhauptmann, der den Reichen wegnahm und den Armen gab. Alte Leute erzählen heute noch von Jósko Savanyú. Das Stück wird von 57 Laienschauspielern dargestellt und ist wieder zu einem großen Erfolg geworden.

Viel öffentliches Geld wird auch in die Volksbildung investiert: Volkshochschulen, Volksbildungswerk, Höhere Schulen, universitäre Bildungseinrichtungen, u.a.m.

Nicht vergessen darf man auch die kulturellen Bemühungen der kirchlichen und privaten Gemeinschaften und Einrichtungen: Blaskapellen, Theatergruppen, berufliche Fortbildungseinrichtungen, Sportvereine, Feuerwehren usw.
Das Burgenland ist ein lebens- und liebenswertes Land, in dem die Vielfalt gefördert und Neues ermöglicht wird.

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Burgenlaendische Gemeinschaft 7/8 2002 Nr.378 Zeitungsarchiv, Serien