Eindrucksvolle Besuchsreise


Aus Anlaß des Jubiläums „80-Jahre-Burgenland“ hat die Landesregierung die Burgenländer in Nordamerika besucht. Das Jubiläum hatte zwar schon im letzten Jahr stattgefunden, da aber damals gleichzeitig Landtagswahlen waren, nach denen drei Regierungssitze neu besetzt wurden, hatte man diese Reise auf heuer verschoben.Die Delegation, die von 10.- 21. Mai 2002 in Amerika unterwegs war, setzte sich aus folgenden Teilnehmern zusammen: Landeshauptmann Hans Niessl, Landeshauptmann-Stellvertreter Mag. Franz Steindl, die Landesräte Karl Kaplan und Helmut Bieler, Landesamtsdirektor Dr. Robert Tauber und Hofrat Johannes Pinczolich, die Büroleiter Martin Ivanscics und Mag. Thomas Steiner, sowie der Präsident der Burgenländischen Gemeinschaft Dr. Walter Dujmovits.
Vor dem Abflug wurde die Delegation vom Generalsekretär des „Weltbundes der Österreicher im Ausland“, Dipl.Ing. Alban Vigelius verabschiedet. Wenige Stunden später haben hohe Funktionäre der Burgenländischen Gemeinschaft in Kanada zusammen mit dem aus dem Burgenland (Donnerskirchen) stammenden österreichischen Handelsdelegierten Dr. Karl Schmidt die Delegation am Flughafen empfangen.
Höhepunkt in Toronto war der von der Burgenländischen Gemeinschaft veranstaltete Heimatabend, der mit 300 Personen ein volles Haus hatte. Ein anspruchsvolles Programm mit Gedichten, Chorvorträgen, einfühlsamen Reden, berührende persönliche Begegnungen ließen schon am Beginn der Reise erkennen, wie die Burgenländer in Nordamerika arbeiten und feiern, wie sie ihr Leben gestalten und wie sehr sie mit der Heimat verbunden sind. Diesen Eindruck vermittelten auch 2 Hausbesuche, die bei den Familien Stubits und Orovits durchgeführt wurden.
Vorher waren die Teilnehmer Gäste des weltbekannten österreichischen Unternehmers in Kanada Frank Stronach auf dessen Anwesen in Aurora. Ein Ergebnis der Gespräche war, daß Stronach die beabsichtigte Ansiedlung von zwei seiner Betriebe im Burgenland bekanntgab. 
Ziel der nächsten Etappe war Chicago, die Stadt, die noch vor wenigen Jahren die größte Burgenländerstadt der Welt gewesen war. Präsident John Radostits zusammen mit der Frau Generalkonsul Dr. Elisabeth Kehrer und der österreichischen Handelsdelegierten Frau Mag. Gudrun Hager haben die Delegation empfangen. Am nächsten Tag besuchte man die berühmte Börse in Chicago sowie den Bürgermeister Daley. Dieser wiederholte den Satz, den sein Vater, der ebenfalls Bürgermeister von Chicago gewesen war, 1958 dem damaligen Landeshauptmann Johann Wagner gegenüber geäußert hat: „Ich wollte ich hätte mehr Burgenländer in meiner Stadt, dann hätte ich mehr Freuden und weniger Sorgen.“ Berührend war auch die anschließende Fahrt durch jenen Stadtteil um Princeton und Ashland im Süden von Chicago, wo vor Jahrzehnten Burgenländer zu Tausenden gesiedelt hatten. In Oak Lawn wurden wir vom Bürgermeister Ernest Kolb empfangen, dessen Vater aus Harkau bei Ödenburg eingewandert ist und der die burgenländische Tradition immer noch pflegt. Am Abend kam es zum Treffen mit Landsleuten in Oak Lawn.
Am nächsten Tag ging es nach Pennsylvanien. Der Bürgermeister der Partnerstadt von Stegersbach,Tom Reenock aus Northampton, sowie die Vertreter der Burgenländischen Gemeinschaft Tessi Teklits und Frank Spitzer begrüßten die Delegation im ländlichen Siedlungsgebiet von Lehigh Valley. Nach dem Lunch im „Liederkranz“ führte uns der Bürgermeister durch seine Stadt zum „Stegersbach Platz“ mit dem Monument der Partnerschaft und in sein Community-Center. Berührend war der anschließende Besuch des Friedhofes von West-Coplay, wo nahezu alle Grabsteine die Namen burgenländischer Einwanderer tragen.
Ausverkauft war der Saal im „Liederkranz“ in Northampton, wo dicht gedrängt 300 Personen die Delegation mit mitreißender burgenländischer Volksmusik empfingen. Viel wurde an diesem Abend erzählt, getanzt, gesungen und gespielt. Ein wohlvertrautes, fast schon vergessenes „stehen gebliebenes“ Burgenland hatte uns umfangen. Irgendwo gab es immer einen Bekannten und oft kam man nach einigem „diskurieren“ darauf, daß man eigentlich auch weitschichtig verwandt ist. Auf dem Weg zum Autobus begleiteten uns die Landsleute mit dem alten Auswandererlied „In der Heimat, in der Heimat, da gibt’s ein Wiedersehen...“.
Der nächste Tag führte uns in die benachbarten Siedlungen Coplay und Allentown. Zum Mittagessen hat uns die resolute Burgenländerin und gute Köchin Resl Meixner eingeladen. Auch ihre Geschwister waren dort. Es gab Szegediner Gulasch, Grammelpogatscherl und andere südburgenländische Schmankerl, die Resl von ihrer Mutter gelernt hat, die bereits vor dem Ersten Weltkrieg von Gerersdorf nach Coplay eingewandert war.
Bobby Strauch organisierte den Besuch des Veteran Clubs in Allentown, dem die Landesregierung eine burgenländische Landesfahne schenkte, die dann feierlich hochgezogen wurde. Er stellte dann im Coplay Sängerbund seinen „Hianznchor“ vor, der gut gelungen vertraute Lieder sang. Zwischendurch besuchte der Landeshauptmann eine Sitzung im Gemeinderat von Northampton und hielt dort eine Rede, die mit „standing ovations“ bedankt wurde. Den langen Tag beendete der musikalische Abend im „Edelweiß-Haus“ der aus Strem nach Northampton eingewanderten Gastwirtin Theresia Unger. Joe Weber, Emil Schanta und andere burgenländische Musikanten wurden bald unterstützt von der Trompete des Landeshauptmann-Stellvertreters Franz Steindl und der Ziehharmonika von Walter Dujmovits.
Da die Delegation im selben Hotel untergebracht war wie der Präsident von „Burgenland-Bunch“ Gerry Berghold und seine Frau, ergaben sich viele Möglichkeiten eines Gedankenaustausches. Dabei hat sich einmal mehr herausgestellt, daß „Burgenland-Bunch“ eine wertvolle Ergänzung zur Arbeit der Burgenländischen Gemeinschaft ist und daß man von dieser Zusammenarbeit noch einiges erwarten kann.
Wenn man von Pennsylvanien nach New York fährt, läßt man Passaic oft links liegen. Wir taten dies aber nicht und feierten am Pfingstsonntag Vormittag die Heilige Messe mit unseren Landsleuten in der Dreifaltigkeitskirche in Passaic. Diese Kirche haben deutsche Auswanderer mit starker Beteiligung der Burgenländer errichtet. Noch heute findet an jedem Sonntag die 10.00 Uhr Messe in deutscher Sprache statt. Gisela Hirmann hat ein Treffen mit den burgenländischen Landsleuten im Anschluß an die Messe organisiert und ein Mittagessen vorbereitet.
Glanzvoller Höhepunkt und zugleich die Schlußveranstaltung unserer Reise war der Nachmittag mit burgenländischen Landsleuten im Castle Harbour Casino in New York. Die „Brüderschaft der Burgenländer“ mit ihrem tüchtigen Präsidenten Alois Zach und seiner Familie haben sie organisiert. Der Vizepräsident der weltweiten Burgenländischen Gemeinschaft Joe Baumann, der Präsident des 1. KUV New York Rudy Drauch und Erwin Neubauer vom Austrian FC und Präsident Alois Zach haben die Gäste begrüßt.
Landeshauptmann Hans Niessl, Landeshauptmann-Stellvertreter Franz Steindl und Präsident Walter Dujmovits haben vielbeachtete Aussagen zum Thema Zusammenarbeit zwischen unserer Landesregierung und den Landsleuten in Amerika gemacht. Besonders attraktiv waren der Einzug der Fahnen, das Absingen der Hymne, die Krönung der „Miss Brüderschaft der Burgenländer“ in Anwesenheit ihrer 10 Vorgängerinnen und das Anschneiden einer riesigen Geburtstagstorte „80 Jahre Burgenland“ mit 80 Kerzen. 
Am nächsten und letzten Tag unserer Reise gab der österreichische Botschafter bei den Vereinten Nationen in seiner Residenz ein Abschiedsessen. Er hob die Bedeutung der Burgenländer in New York als Lobby hervor und zeigte Anerkennung und Respekt vor ihrer Arbeit.
Ein Detail am Rande aber doch bemerkenswert: der Koch, der dieses Essen vorbereitet hatte, war der junge Burgenländer Wolfgang Ban, der aus Donnerskirchen eingewandert war.

Dr. Walter Dujmovits

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Burgenlaendische Gemeinschaft 5/6 2002 Nr.377 Zeitungsarchiv