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"Burgenland Bunch"
Das Essen im Burgenland & in America

 

Das Essen im Burgenland war um 1900 mit der Küche in Amerika durchaus vergleichbar. Typische Mahlzeiten (sowohl im Burgenland als bei den burgenländischen Auswanderern in Amerika) sahen zum Beispiel so aus:

Auf den Frühstückstisch kamen Brot, Butter, Milch, Kaffee oder Wein; für die Herren des Hauses gab es eventuell auch schon ein Stamperl Schnaps, Kirschwasser oder Slibowitz zu Paprikaspeck, Käse oder geräucherten Würstel. Die Hauptmahlzeit begann mit der Tagessuppe, entweder Rindsuppe oder Hühnersuppe (mit selbst gemachten Nudeln oder mit Reis, Sterz oder Knödeln als Einlage) oder einer Einbrennsuppe. Das Suppenfleisch wurde dann als Hauptspeise serviert, mit Erdäpfeln als Beilage. Als Salat gab es wilde Kräuter wie Löwenzahn, Gartensalat oder Gemüse, aber auch Sauerkrautsalat oder gekochte weiße Bohnen in Essig und Öl; auch Rahmgurkensalat war beliebt. Der Essig wurde aus Wein oder Most hergestellt. Auch wilde Schwammerl, Nüsse und Beeren wurden verarbeitet.

Zu den Mahlzeiten wurde eine Weinmischung getrunken. Der Wein zählte zu den Grundnahrungsmitteln, schon seit dem Mittelalter, als die Bediensteten an den Adelshöfen mit einer Tagesration "Zipolten" (Weißbrot) und Wein entlohnt wurden. Nachdem das Wasser oft nicht rein war, war das Mischen mit Wein eine wichtige Gesundheitsvorsorge.

Zum Abendessen gab es zum Beispiel Sterz (aus Maismehl oder Buchweizenmehl, mit Fett geschmalzen, manchmal als "Bluitsterz" (mit Blut vom Abstechen) oder als Eiersterz), Zwetschgenknödel (mit Erdäpfelteig gemacht), Topfennudeln oder Krautnudeln oder Grammelnudeln (mit selbstgemachten Nudeln). Oder es gab Gulasch in verschiedenster Art mit viel Zwiebeln und Paprika. Oder mit Reis und Faschiertem gefüllte Paprika in einer gebundenen Sauce. Auch Weizen-, Bohnen- oder Schinkenritschert wurde oft gemacht. Als das Festessen schlechthin galt Gänsefleisch. An Freitagen und an Fasttagen gab es Fisch, frisch, getrocknet oder eingelegt.

Obst wurde als Aufstrich gegessen oder als Strudelfülle. Als Mehlspeis gab es Germteigstrudel mit Nuss- oder Mohnfülle. Gern wurden auch mit Marmelade gefüllte Palatschinken gegessen. Eintöpfe, Suppen oder Gemüsegerichte wurden oft mit Rahm verfeinert. Ein Gebäck aus Mehl, Erdäpfeln und Fett (manchmal Grammeln) - ungarisch "Pogasa" oder "Pogatscherl" - ist noch heute unter den Nachfahren der Auswanderer sehr beliebt. Krapfen und gefüllte Kipferl waren etwas Besonderes an Festtagen. Zu Weihnachten gab es auch Orangen und Marzipan.

Dies ist nur ein kleiner Einblick in die burgenländische Küche, die das Beste aus der deutschen, der ungarischen und der kroatischen Küche in sich vereint. Im Burgenland spielte sich seinerzeit das Leben rund um das Essen ab. Die Äcker bestellen, bearbeiten und ernten, die Tiere füttern, versorgen und schlachten, die Arbeit im Weingarten, Weizen und Roggen mahlen lassen, Kraut einlegen, Wein machen, Wurst machen, Obst pressen, einkochen und einlegen, Schnaps brennen - all diesen Traditionen blieben auch die nach Amerika ausgewanderten Landsleute treu. Ich erinnere mich noch gut an den Weinstock meiner Großeltern, das Kuchlgartl hinterm Haus, die Weinfässer, die Sauerkrautbottiche, das Wurstmachen und das Obsteinlegen und die Geflügel im Hof. Die Zeiten haben sich geändert, aber die Lieblingsspeisen unserer Vorfahren leben mit uns weiter.

Gerry Berghold, BB-News-Herausgeber
(Übersetzung Ingeborg Schuch)

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Burgenlaendische Gemeinschaft 5/6 2002 Nr.377 Zeitungsarchiv