Erstauswanderer
Andau, Frauenkirchen, Oberwart, Buchschachen, Grafenschachen, Markt Allhau, Glashütten
7. Fortsetzung
 

Alle bisher beschriebenen Erstauswanderungen fallen noch in die Zeit der „old immigration“, wie man diese in Amerika nennt. In dieser Zeit sind die Auswanderer aus unserer Gegend so weit wie möglich nach Westen bis an die „frontier“, die Indianergrenze, gezogen. Diese lag im Mittelwesten im Bereich der heutigen Bundesstaaten Kansas, Texas, Minnesota, Dakota und Ohio. Sie haben dort noch freies Land vorgefunden und ihre Farmen angelegt, wurden also Bauern.

In den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts war das gesamte Gebiet der heutigen bereits USA aufgeteilt. Die Einwanderer ab 1890 konnten also nicht mehr so günstig siedeln und suchten daher Arbeit in den Fabriken, begünstigt durch den Umstand, daß in jener Zeit gerade die Industrialisierung im Osten der USA einsetzte. Die Einwanderer zogen daher nicht mehr so weit nach Westen, sondern siedelten bereits in Chicago, Pennsylvania und New York. Diese Zeit wird „new immigration“ bezeichnet.

Für das Burgenland bedeutet dies, daß die frühe Einwanderung (aus dem Nord- und Mittelburgenland) der „old immigration“, die später einsetzende Auswanderung aus den Bezirken Güssing und Jennersdorf (ab 1890) der „new immigration“ zuzurechnen ist.

Jahr  Ort  Name  (Geburtsjahr) Ziel ~
1882  Andau  Josef Leitner  (1843) Ohio
Frauenkirchen  Mathias Stifter  (1843)  St. Paul
1883  Oberwart  19 Personen    Duluth 
Buchschachen  Michael Honigschnabel    Duluth 
Grafenschachen  Josef Tripam   St. Louis  
1884  Markt Allhau  Josef Loschy    St. Paul
Glashütten  4 Personen   

Aus der Gemeinde Andau im Seewinkel ist im Jahre 1882 der im Jahre 1843 geborene Josef Leitner mit seiner um zwei Jahre jüngeren Frau Katharina und 5 Kindern nach Amerika aufgebrochen. Sie ließen sich in Ohio nieder. Zu den frühen Auswanderern zählten noch weitere 3 Personen, zwei hießen Sattler, einer Müller. Sie zogen nach St. Paul.

Aus der Nachbargemeinde Frauenkirchen ist im selben Jahr Matthias Stifter mit Frau und Tochter nach St. Paul gezogen.

Im Jahre 1883 verließen die ersten Auswanderer aus der Gegend um Oberwart ihre Heimat. Am 22. April 1883 berichtet die „Oberwarther-Sonntags-Zeitung“ folgendes: „Im Laufe dieser Woche ist von Oberwarth eine Gesellschaft von 19 Personen nach der Neuen Welt ausgewandert“.

In der selben Zeitung vom 14. April 1901 schreibt Michael Honigschnabel, der 1883 aus Buchschachen ausgewandert ist und ein Verwandter des 1885 verstorbenen Lehrers von Buchschachen gleichen Namens war, folgendes: „Ich rathe Euch keinem, nach Amerika zu gehen, denn für die meisten wird das so hochgepriesene Amerika ein wahres `Malheurika´“ .

Als erster ist von Grafenschachen im Jahre 1883 Josef Tripam (vulga Morn Simes) nach St. Louis ausgewandert. Vor dem Ersten Weltkrieg kam er wieder nach Hause.

Der erste Auswanderer aus Markt Allhau war Josef Loschy, der am 1. Feber 1884 nach St. Paul gezogen ist. 

Ihm folgten 4 Personen, die am 28. März 1884 aus Glashütten nach Amerika auswanderten. Tripam und Loschy sind noch der „old immigration“ zuzurechnen. Die zahlreichen Auswanderer aus Markt Allhau und Glashütten, die ihnen in den nächsten Jahren gefolgt sind, gehören bereits zur „new immigration“. Sie ließen sich bereits in Chicago nieder und arbeiteten dort in den Fleisch- und Seifenfabriken oder waren beim Bau der „North Pacific Railway“ beschäftigt.

Fortsetzung folgt

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Burgenlaendische Gemeinschaft 3/4 2002 Nr.376 Zeitungsarchiv, Serien