Erstauswanderer
St. Margarethen, Schwendgraben, Oggau, Großhöflein, Pilgersdorf, Neckenmarkt
2. Fortsetzung

Nach dem verlorenen Aufstand von 1848/49 verloren die Ungarn ihre Autonomie und wurden der kaiserlichen Zentralgewalt in Wien unterstellt. Die Amtssprache Deutsch und die österreichische Staatsbürgerschaft wurden eingeführt. So blieb es bis zum sogenannten "Ausgleich" von 1867, in welchem die Ungarn ihre Selbständigkeit innerhalb der Monarchie erhielten. 
Jahr  Ort  Name  (Geburtsjahr) Ziel ~
1855  St. Margarethen  Steindl, Nawrath  Ohio
Schwendgraben  Strommer   (1823)   
1856  Oggau  Gregor Neuwirth   
Großhöflein  Johann Marilitsch  
Pilgersdorf  Flam, Schreiber    
1857  Neckenmarkt  Ladislaus Raab    Wisconsin

Ein am 30.11.1874 ausgestelltes Gemeindezeugnis und das Pfarramt von St. Margarethen bestätigen, daß 
"der am 25. Februar 1855 in St. Margarethen geborene Joseph Steindl kurz nach seiner Geburt mit seinen Eltern Joseph und Maria Steindl (geborene Wartha) mit behördlicher Genehmigung nach Amerika ausgewandert ist."
 

Ein ähnliches Gemeindezeugnis wurde Michael Nawrath, geboren am 6. Mai 1855 in St. Margarethen, Sohn des Andreas und der Theresia Nawrath (geb. Strahlhofer) ausgestellt. Diese Familie lebte 1869 in der Stadt Columbus in Ohio.

Matthias Strommer (1823) aus Schwendgraben ist der bisher bekannte früheste Amerikawanderer aus dem heutigen mittleren Burgenland. Er war Webergeselle, ledig und besaß 211 fr Reisegeld. Er mußte auf seine österreichische Staatsbürgerschaft und auf das Heimatrecht in Schwendgraben für immer und unwiderruflich Verzicht leisten. Darauf wurde ihm von der k.k. Statthalterei-Abteilung der Auswanderungspaß nebst Wanderbuch und Taufschein am 24. Mai 1855 ausgefolgt.

Aus Oggau sind Gregor Neuwirth (geb. 11.10.1811) und seine Frau Maria (Hausnummer 54) mit ihren Kindern Johann (1852) und Theresia (12 Jahre) im Jahre 1856 nach Amerika aufgebrochen.

Im selben Jahr ist Johann Marilitsch aus Großhöflein nach Amerika gefahren.

Die außergewöhnlich hohe Anzahl von Auswanderern aus dem mittelburgenländischen Pilgersdorf hängt mit den beiden Brandkatastrophen vom 25.6.1855 und 28.5.1880 zusammen, die das Dorf jedesmal total eingeäschert haben. 
Darüber heißt es in einer 1896 angelegten Hauschronik: 
"1855 ist daß ort apgebrant sint 3 Menschen Pferdten die Kirche die Glocken samt Uhr vom Thurme heruntergebrent. 1856 die Ersten Einwohner inß Amerika gewandert der Flam und Schreiber ....... biß 1896 sint bey 250 Seelen ausgewanttert seit 1856." 

Den Familien Flam (Hausnummer 55) und Schreiber (Nr. 35) folgten die Familien Puhr (Nr. 12), Heiling (Nr.28), Pinter Jokl (Nr. 56), Berger Adam (Nr. 31), im Jahre 1860 Wenzl Josef (Nr. 63) und im Jahre 1880 Franz und Michael Linder (Nr. 99) sowie Josef Fasching (Nr. 47).

Die Auswanderung aus Neckenmarkt begann 1857 mit Ladislaus Raab, der nach Menasha (Wisconsin) zog. Bei der Revolution 1848/49 kämpfte er auf Seiten der Ungarn gegen die Habsburger. Auch nach seiner Auswanderung zog es ihn in den Krieg: Er nahm am amerikanischen Bürgerkrieg teil und ist im Jahre 1862 in Amerika gefallen.

Fortsetzung folgt

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Burgenlaendische Gemeinschaft 5/6 2001 Nr.371 Zeitungsarchiv, Serien