| Vor 75 Jahren Höhepunkt der Amerikawanderung |
|
Das Burgenland ist das größte Auswandererland Mitteleuropas. Die Zahl der Auswanderer nahm stetig zu und kulminierte vor 75 Jahren. Damals, im Jahre 1923, sind 6.683 Burgenländer nach Amerika gezogen. Das waren 70% der gesamtösterreichischen Amerikawanderung. Diese an sich schon hohe Zahl beeindruckt noch mehr, wenn man ergänzt, daß
6.683 Personen bedeutet die doppelte (!) Zahl aller heutigen Einwohner des Pinkabodens (Deutsch Schützen, Eisenberg, Oberbildein, Unterbildein, Kulm, Eberau, Gaas, Kroatisch Ehrensdorf, Winten, Moschendorf, Heiligenbrunn, Hagensdorf, Reinersdorf, Luising, Deutsch Bieling). Noch eindrucksvoller ist es, wenn man die Zahl der Amerikawanderer des vorangegangenen Jahres 1922 (5.346 Personen) dazurechnet. Dann sind es zusammen 12.029 Personen. Diese Zahl ist so groß wie die heutige Einwohnerzahl des gesamten Bezirkes Jennersdorf mit der Ausnahme der Stadt selbst. Im Durchschnitt sind fast 600 Menschen pro Monat ausgewandert. Das ist in jedem Monat ein ganzes Dorf. Eine Wanderbewegung solchen Ausmaßes hatte natürlich einschneidende wirtschaftliche und soziologische Folgen. Die Hilfe aus Amerika half über die ärgste Not hinweg. In manchen Gebieten war der Dollar zur heimlichen Währung geworden. Die meisten der männlichen Auswanderer waren erst kurz vorher als Soldaten vom Weltkrieg zurückgekehrt. Sie haben daher ihre Heimkehrervereine nicht nur im Burgenland sondern auch in Amerika gegründet. Diese große Auswanderungswelle erfährt durch das US- amerikanische Einwanderungsgesetz von 1924 ein jähes Ende. Die Auswanderungszahl ging von 6.683 im Jahre 1923 auf 523 im Jahre 1924 zurück. Die Folge war, daß sich die Auswanderer nun nach Kanada und Südamerika wenden mußten. Im Jahre 1925 begann die Umleitung des burgenländischen Auswandererstromes bereits sichtbar zu werden Erstmals war die Zahl der Auswanderer nach Südamerika größer als die in die Vereinigten Staaten. Die Auswanderer jener Jahre waren zum größten Teil Heimkehrer aus dem 1. Weltkrieg. Das populärste Soldatenlied, das ja ein Heimwehlied ist, endete mit dem Refrain: ,,...in der Heimat, in der Heimat, da gibt's ein Wiedersehen." Mit diesem Lied auf den Lippen sind die ehemaligen Soldaten dann nach Amerika gezogen und dieses Lied ist zum Heimatlied der Burgenländer in Amerika geworden und geblieben. |