"Der Botanische Rundwanderweg" im Clusius Naturpark

5 Jahre nach der Stadterhebung Güssing wurde im Jahre 1978 auf Grund seiner ausgeprägten - Teich - Au - Waldlandschaft ein rund 800 ha großes Gebiet von der Burgenländischen Landesregierung zum Naturpark erklärt. Ausschlaggebend war maßgeblich die besondere Erholungseignung. Die Forstverwaltung Dr. Karl Draskovich stellte den Grund für den gesamten Erholungsraum zur Verfügung. Die Clusiusgesellschaft mit dem Sitz in Güssing konnte mit Hilfe von öffentlichen Förderungsmitteln eine Reihe von Projekten verwirklichen, die von besonderer Bedeutung für Forschungsaufgaben im Bereich der Flora und Fauna einer südburgenländischen Landschaftsform sind. Es würde den Rahmen des Artikels sprengen, wollte man auf die Projekte im Detail eingehen. In den folgenden Ausführungen wird deshalb nur ein kleiner Teil dieses Naturparkes vorgestellt: “Der Botanische Rundwanderweg” um den Urbersdorfer Stausee. Wenn man die alte Straße (B 56) nach Urbersdorf fährt und kurz vor der Ortseinfahrt nach links abbiegt, ist man nach wenigen Metern beim Südufer angelangt. Uralte Eichen führen uns sofort in eine Zeit, wo das biologische Gleichgewicht nur von den jahreszeitlichen Wachstumsgesetzen bestimmt war. Carolus Clusius (1526-1609) lebte in den siebziger und achtziger Jahren des 16. Jahrhunderts über Einladung Balthasar Batthyanys in Güssing. Hier entstand das erste brauchbare Buch mit systematischen Angaben über die Pflanzenwelt des Ostalpenraumes.

Die Vegetationszonierung am See:
Wasserpflanzen am Uferrand
Rohricht
Großseggenried
Weichholzgebüsch
Erlen- und Buchenwald
Braunerden und verwandte Bodentypen
Klimax Wald

Die wissenschaftlichen Lehrtafeln informieren den Besucher über die Symbiose Pflanze und Tiere, über notwendige Rückzugsgebiete.

Uferzone

Der Übergangsbereich vom stehenden Wasser zum Festland - der amphibische Bereich - beherbergt eine eigene Lebewelt. Hier läßt sich der vor rund 400 Millionen Jahren vollzogene Übergang von Wasser zum Landleben erkennen. Binse und Froschlöffel zeugen ebenso davon wie der Teichmolch und der Wasserfrosch.

Hecke

Hecken und Flurgehölze haben eine wichtige Bedeutung in der Kulturlandschaft. Sie verbinden die naturnahen Reste einer Landschaft zu einem funktionsfähigen biogenetischen Netzwerk. In ihm finden wir die Hasel, das Pfaffenkäppchen, den blutroten Hartriegel u.a.

Eichenhain

Bevor der Mensch mit modernen landwirtschaftlichen Methoden die Böden intensiv zu bewirtschaften begann, wurden weite Teile unseres Landes beweidet. Im Clusius Naturpark finden wir noch eine parkartig aufgelichtete Weidelandschaft mit uralten Eichen. Dieser Teil vermittelt uns auch die Vorstellung einer mittelalterlichen Kulturlandschaft. Man sieht Zerreichen, Traubeneichen und Stieleichen.

Wiese

Wie der Stausee, die Hecke oder der Forst ist auch die Wiese ein Werk der menschlichen Aktivität.. Die floristische Zusammensetzung einer Wiese hängt ganz wesentlich von der Nutzungsform ab. In unserem Gebiet treffen wir hauptsächlich auf Glatthaferwiesen, die 2mal jährlich gemäht werden. Der Blüh- und Fruchtrhythmus der Pflanzen paßt sich an die Mahden an. 
Einen wesentlichen Einfluß auf den Blütenreichtum einer Wiese übt die Düngung aus: je weniger eine Wiese gedüngt wird, desto blütenreicher ist sie. Die angeführten Landschaftsformen sind in den letzten Jahrzehnten in manchen Gebieten fast verschwunden oder so reduziert, daß das Gleichgewicht der natürlichen Wechselwirkung untereinander nicht mehr funktioniert. Nun bemüht man sich weltweit, wenigstens einige Gebiete in ihrer ursprünglichen Form zu erhalten.

Der Clusius Naturpark ist eines davon. Der botanische Rundwanderweg ist eben angelegt, und in einer 3/4 Stunde zu bewältigen.

Oberschulrat Michael Gramelhofer

 
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Burgenlaendische Gemeinschaft 3/4 1998 Nr.352