| So war es damals... 15. (und letzte) Folge Die 90er Jahre - das Jahrzehnt der Nachbarschaft |
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Fangen wir bei den Nachbarländern an: Der Nachbar an der Südgrenze ist nicht mehr Jugoslawien, sondern ein Teilstaat, nämlich Slowenien. Der Nachbar an der Nordgrenze ist nicht mehr die Tschechoslowakei, sondern ein Teil dieses ehemaligen Staates, Tschechien. Beides waren Länder, die durch den Zerfall der Monarchie im Jahre 1918 entstanden sind. Ebenso wie die Republik Österreich damals entstanden ist, obwohl Österreich als Idee schon 1.000 Jahre alt ist, was gerade in diesem Jahr als "Millenium" gefeiert wird. Das Burgenland hatte in den letzten Jahrzehnten einen Eisernen Vorhang gegen Ungarn und eine schwer durchlässige Grenze gegenüber der Tschechoslowakei und gegenüber Jugoslawien. Heute sind alle diese Grenzen frei passierbar in beiden Richtungen. Wenn auch diese Nachbarländer einmal zur "Europäischen Union" gehören werden, und dies ist bei Slowenien und Ungarn gar nicht mehr so fern, wird es überhaupt mehr keine Grenzen geben, keine Zöllner und keine Soldaten an der Grenze mehr. Daher müssen wir uns jetzt schon mit diesen Nachbarn beschäftigen. Unser "Heimattreffen Pinkaboden" war ein Beitrag in dieser Entwicklung. Es wird nicht der einzige bleiben. Seit Österreich bei der "Europäischen Union" ist, dies ist seit 1. Jänner des letzten Jahres, zieht es auch viele Investoren in unser Land. Neue Fabriken entstehen an der Ostgrenze, weil man schon mit den Kunden in Osteuropa rechnet. So entsteht gegenwärtig mit beachtlicher Förderung der "Europäischen Union" ein gewaltiges Kunstfaserwerk in Heiligenkreuz, dessen Errichtung hunderte Millionen Schilling kostet. Auch hier wird mit Ungarn kooperiert. Eine große österreichische Baufirma baut gegenwärtig je ein Thermalbad in Blumau (Oststeiermark), in Stegersbach (Burgenland) und in Heviz (Westungarn). Es wird eine einheitliche zusammenhängende Thermenlandschaft entstehen. Von einer Grenze wird man genausowenig spüren, als würde man in Amerika von North Dakota nach South Dakota fahren. Nachbarschaft gibt es auch mit jenen Menschen, die im Haus nebenan wohnen. Durch die große Mobilität der Bevölkerung in Europa sind diese Menschen oft zugezogene Ausländer, meistens aus Osteuropa, die bei uns Arbeit gefunden haben. Das Auswandererland Burgenland ist zu einem Einwandererland geworden. Es kommen auch viele Leute aus den Großstädten, vor allem aus Wien, die das Nachbarhaus, das einmal ein Bauernhaus gewesen ist, gekauft haben und nun bei uns in guter Umgebung und guter Luft leben. Die meisten bleiben auch in der Zeit ihrer Pension hier, oder sie kommen erst, wenn sie in der Stadt ihr Berufsleben endet haben. Eine neue Form der Nachbarschaft entsteht auch in den Reihenhäusern. Das sind Häuser, die nicht getrennt nebeneinander stehen, sondern aneinander gebaut werden. Dieses meist gemeinsame Dach erspart viele Kosten, da Strom- und Wasserleitungen gemeinsam angelegt und benützt werden können. Das Reihenhaus, das oft auch ein Fertighaus ist, ist eine neue Wohnform und eine neue Form gelebter Nachbarschaft. Ende Dr. Walter Dujmovits
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