| So war es damals... 13. Folge Die 70er Jahre - das Jahrzehnt der Gesellschaft |
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"Ja", sagte man damals "es ist schon alles gut, es sollte aber noch besser werden!". Das "moderne Burgenland" und das "moderne Österreich" galt es zu errichten. Dieses Jahrzehnt hat Österreich verändert: 1971 gewannen die Sozialisten auch die absolute Mehrheit, 1975 konnten sie noch mehr dazulegen und 1979 erreichten sie ihren absoluten Höhepunkt. Die Österreichische Volkspartei hatte es schwer mit diesem populären Kanzler. Die FPÖ war unbedeutend. Andere Parteien gab es nicht. Die Wirtschaft hat weiter dominiert. "Die Wirtschaft verlangt das!" heißt aber, daß sich der Mensch den Bedürfnissen der Wirtschaft unterordnen sollte, heißt auch, daß nicht die Wirtschaft für die Menschen, sondern der Mensch für die Wirtschaft da sei. Eines der wertvollsten Erziehungsgüter durch Jahrtausende drohte damals verloren zu gehen: das Sparen. Nicht das Sparen, sagte man, sondern das Wegwerfen belebte die Wirtschaft, fördere das Wachstum und bringe den Wohlstand. Viele glaubten dies. Die Alten zweifelten daran. Mit Recht. Je mehr weggeworfen wird, umso mehr kann nachproduziert werden, umso sicherer die Wirtschaft und der Wohlstand wachsen. Daß produzierte Güter auch wieder einmal entsorgt werden müßten, daran dachte man damals nicht. Die Wirtschaft hatte alle Bevölkerungsschichten erfaßt. Ganz entscheidend war, daß wohl zum erstenmal in der Menschheitsgeschichte die Kinder die Eltern nicht mehr brauchten. Sie kamen gleichzeitig mit der Geburtenbeihilfe zur Welt, sie bezogen Kinderbeihilfe, Studienbeihilfe, ehe sie in ihren Beruf eintraten. Dann gab es wieder Zulagen, Subventionen und andere Zuwendungen. Kinder und Jugendliche wurden eine eigene Konsumentenschichte, die Milliardenumsätze machte, vor allem im Bereich der Mode, der Unterhaltungsindustrie und des Zeitschriftenwesens. Ganze Industrien produzierten nur für diese junge Konsumentenschichte Güter, die dann meist in "Shops" verkauft wurden und werden. Vielmehr als das Radio hat das Fernsehen das Dorf verändert. Der Mord an Kennedy 1963 und die Ereignisse nachher konnten gleichzeitig auf der ganzen Welt gesehen werden, sogar im Burgenland. Die Großmutter sah damals zum erstenmal Schifahrer, Tennisspieler und die "Löwinger-Bühne" daheim vor dem Fernseher. Alte Autoritäten verloren Macht und Bedeutung: Der Dorflehrer, der Pfarrer und der Amtmann. Die Kirche geriet in eine Krise. Das Konzil von 1962-65 hat kirchliche Strukturen verändert, erneuert und auch zerstört. Nur die katholischen und evangelischen Burgenländer, die einander in der Vergangenheit oft feindlich gegenüberstanden, was oft zu Tragödien in Familien geführt hatte, kamen einander näher. Die "Bauwut" hat das Dorf überfallen. Häuser wurden abgerissen Wertvolles vernichtet und durch Billiges und Unpassendes ersetzt. Das burgenländische Dorf zählte einst zu den schönsten Hauslandschaften Europas. Jetzt begann das "Sterben der weißen Dörfer". Fortsetzung folgt |