| So war es damals... 8. Folge Bauernhaus 2 - Küche |
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Auf dem Dachboden über dem Wohngebäude standen alte Truhen und andere Gebrauchsgegenstände. Natürlich auch oft viel unnützes Gerumpel, das aber interessant war. Auch Getreide (die "Frucht") wurde oft dort aufgeschüttet. Deswegen waren beim Mauern ein oder mehrere Ziegellöcher ausgelassen worden, damit die Luft durchziehen und man die Frucht trocken halten konnte. Auch die "Selch" gab es dort, wo das Fleisch geselcht wurde, das man auf alle Fälle für den Osterschinken brauchte. Im Dachboden über dem Wirtschaftsgebäude lagerte das Heu. Darauf war Streu vom Wald (Waldlaub zum "Drunterstreuen"). Die Strohdriste stand im Freien. Weiter weg stand die Scheune, ebenfalls abseits der Schweinestall. Die Wohnküche Die Küche war nun keine Rauchküche mehr, sondern eine behagliche Wohnküche. Es gab nun bereits statt dem Lehmboden einen Fußboden aus gehobelten Brettern. Dieser wurde täglich mehrmals gekehrt. Am Samstag mußte er "aufgerieben" werden. Dies geschah meist mit einer Seifenlauge oder mit einer billigen Seife, die man oft aus Laugenstein selbst verfertigt hatte. Damit wurde also der Fußboden gewaschen, mit einer Reibbürste der Schmutz entfernt und dann nachgeschwemmt. Das Wasser wurde dann mit einem Fetzen abgewischt und in einem Schaff oder Kübel gewrungen, das heißt mit einer drehenden Handbewegung ausgepreßt (ausgebolt). Es war eine schwere Arbeit für die Frau, dort zu knien und aufzureiben. Wenn das vorbei war, wurde der feuchte Boden mit Säcken, später war es auch schon großflächiges Papier, abgedeckt. Am nächsten Morgen, es war der Sonntag, wurde dieses weggenommen und der Fußboden strahlte wie neu. Aber nur für einige Stunden, denn dann kamen die Leute und brachten wieder mit ihren kotigen Schuhen den Dreck in die Küche. An die Küche schloß sich die hintere Stube an. Sie war nur für das Schlafen gebraucht worden. In dieser Stube stand ein Tisch mit Bänken, eine Truhe nahe dem Backofen und zwei bis drei Betten, hoch mit Tuchenten und Polstern aufgepackt. Ein Bett allein hatte oft nur die alte Großmutter oder der Großvater. Ehepaare mußten zusammen in einem Bett schlafen, die Kinder meist zu zweit oder zu dritt. Bilder an den Wänden gab es auch, ein "Herz Jesu Bild" durfte nicht fehlen, auch nicht das Bild der Mutter Gottes mit Kind. Oft hing dort auch noch das Erinnerungsbild aus dem Ersten Weltkrieg, auf dem die vier Monarchen der verbündeten Mächte (Österreich-Ungarn, Deutschland, Bulgarien, Türkei) und das Bild des Soldaten aus dem Hause selbst abgebildet waren. Gleich neben der Eingangstür am Türpfosten angebracht, hing der Weihbrunnen, aus dem man vor dem Schlafengehen sich mit Weihwasser besprengte und dann das Kreuz machte. Vom Plafond hingen zwei eiserne Stangen, deren unteres Ende eingedreht war. Durch die beiden Löcher wurde eine Holzstange geschoben, auf dem die Kleidung abgelegt (übergeschlagen, aufgehängt) war. Fortsetzung folgt |