So war es damals...
7. Folge
Bauernhaus 2


Ich habe in der Nummer 331 in unserer Zeitung im letzten Jahr geschrieben, daß es in unserer Heimat 3 Bauernhausphasen gegeben hat: 
Vor 150 Jahren, als sich die Bauern von der Grundherrschaft gelöst haben, begann die erste. Es waren kleine Häuser, die die Bauern errichtet haben. Zuerst waren es "gesatzte" Lehmwände, darüber gab man einen Dachstuhl mit Strohdach. Der zentrale Raum war die Küche mit einer offenen Feuerstelle und einem offenen Rauchabzug. Diese Phase endete nach dem Ersten Weltkrieg. 

Die 2. Bauernhausphase war durch gemauerte Wände, das Ziegeldach und den Sparherd gekennzeichnet. Der Fortschritt lag darin, daß die Leute sich bereits gemauerte Häuser mit Ziegeldach leisten konnten.
Über den Sparherd werde ich das nächstemal schreiben. Heute beschreibe ich die Wohnküche und die Stuben sowie die Wirtschaftsgebäude der damaligen Zeit. 

Die Küche war also eine Wohn- und Arbeitsküche zugleich. Während wir heute in der Küche nur kochen und uns vielleicht auch aufhalten, hat man damals in der Küche noch schwere und schmutzige Arbeiten verrichtet. Die Wäsche wurde gewaschen, das geschlachtete Schwein wurde in der Küche aufbereitet, im Winter hat man Körbe geflochten und Federn geschlissen. Oft kamen auch Tiere in die Küche hinein, Hunde und Katzen, oft auch Hühner. Die Küche war auch relativ groß.
Die hintere Stube war nur zum Schlafen hergerichtet, die vordere Stube, die "bessere", wurde kaum benützt und diente nur zum Aufbewahren wichtiger Utensilien, aber auch von Lebensmitteln, weil dort die Schaluun (Fensterläden) meist geschlossen und das Zimmer daher kühl war. Die Leute damals waren alle arm. Tausende sind ausgewandert und haben aus Amerika Dollar heimgeschickt. Mit diesen wurde das alte Haus abgerissen und das neue Bauernhaus errichtet. 
Anfangs der zwanziger Jahre gab es eine bedeutende Rückwanderung. Viele Auswanderer, die vor dem Krieg in Amerika waren, mußten ihren Aufenthalt nach Kriegsbeginn nur einige Jahre verlängern. In dieser Zeit konnten sie mehr verdienen. Ziemlich gleichzeitig kamen sie nach Kriegsende nach Hause und brachten ihr Erspartes mit.
Die zweite Welle der Rückwanderung gab es in der Zeit der Weltwirtschaftskrise,
zwischen 1929 und 1933. Damals gab es viele Burgenländer, die arbeitslos waren oder denen die Arbeitslosigkeit drohte. Sie fürchteten, ihr Erspartes würde dabei draufgehen und sie kamen rechtzeitig nach Hause. Da der Dollar damals 7 Schilling ausmachte, konnte man mit einem Dollar bereits sehr viel ausrichten.
Man weiß heute genau, wann diese 2. Bauernhausphase in den einzelnen Fällen begonnen hatte, denn die Jahreszahl stand auf dem Dachgiebel oder, wie es fast immer der Fall war, mit gelben Messingbuchstaben auf dem Sparherd, meistens zusammen mit den Anfangsbuchstaben des Besitzers. Wenn also der Bauer Josef Halper hieß, und der Sparherd 1922 gesetzt wurde, stand auf diesem geschrieben: 
"J 1922 H". Diese Buchstaben waren oberhalb des Kupferkessels angebracht, in dem heißes Wasser aufbereitet wurde und oberhalb der beiden "Röhren" ("Reen"), in denen man gebacken und die Speisen warm gehalten hat. 
In der 2. Bauernhaussphase also hat man mit Ziegeln gebaut, die man entweder selbst geschlagen oder von den zahlreichen Ziegelöfen gekauft hat.
Unterkellert waren die Häuser nur selten, sie hatten oft nicht einmal ein Fundament. Vielfach baute man gleich von Grund weg. Daher waren die Mauern oft auch feucht, weil man sie nicht isoliert hatte. Das Dach wurde nicht mehr mit Stroh, sondern mit Dachziegeln gedeckt.

Fortsetzung folgt

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Burgenlaendische Gemeinschaft 3/4 1995 Nr.334