| So war es damals... 6. Folge Leserbrief |
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So viel hat sich für unsere Generation geändert und ich finde immer weniger Menschen, die diese Zeiten kannten. Ich trauere, daß mit ihnen eine Lebensart begraben liegt, die es schwer macht unseren Kindern und unserer Jugend zu beschreiben. Und doch wollen es meine Kinder wissen, wie es damals war. Sie wachsen in einer Großstadt auf und für sie hört sich meine Kindheit fast wie ein Märchen an. Heutzutage und hierzulande ist alles käuflich und unmittelbar erreichbar. Wir leben unser Leben außer Saison. Man kann die Jahreszeiten kaufen. Weihnachten beginnt im September mit künstlichen Christbäumen in den Geschäften. Es gibt Frühlingsblumen im Herbst; Erdbeeren mitten im Winter. Und ich lange nach den Zeiten meiner Kindheit und Jugend, ohne all dieses Käufliche. Die Landschaft um uns brachte die Stimmung. Wir lebten damals noch im Einklang mit der Natur. Wir warteten mit Geduld bis die ersten Äpfel reiften. Bei uns zu Hause waren es die "Woaz-Äpfel" zur Getreidemahd im Juli. Jede Jahreszeit brachte uns Nahrung: Birnen im August, Äpfel, Zwetschken und Nüsse zum Kukuruzabschälen, das Kletzenbrot zur Weihnacht. Ich erinnere mich an Tage, wo Gewitterstürme den Birnbaum im Nachbargarten schüttelten und am nächsten Morgen kam unser Mittagessen in einer Schürze voller Birnen, auf die wir uns wochenlang freuten. Oft scheint es mir, daß wir unsere Verbindung zu den Birnbäumen in unserem Wettlauf zum "Ersatz-Genuß" verloren haben. Dafür ist eine neue Dimension ins Bild gerückt: das Geschäft, die Verpackung - Geld ausgeben für etwas, das die Erde und Natur uns weiterhin bietet. Mit lieben Grüßen herzlichst |