| So war es damals... 4. Folge Bauernhaus - Dach |
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Es gibt 3 Bauernhaus-Phasen in der Geschichte unseres Landes. Vor etwa 150 Jahren begann die 1. Bauernhausphase, die durch Lehmwand, Strohdach und Rauchküche gekennzeichnet war. Nach dem Ersten Weltkrieg begann die 2. Bauernhaus-Phase, die durch Ziegeldach und Sparherd charakterisiert war. Diese 2. Bauernhaus-Phase endete etwa vor 30 Jahren. Unter dem Strohdach Nach der Bauernbefreiung begannen in unserem Land in den 50er und 60er Jahren des letzten Jahrhunderts die Bauern ihre Häuser, die nun ganz ihr Eigentum waren und nicht mehr der Herrschaft gehörten, herzurichten. Es gab schon damals gebrannte Lehmziegel. Aber nicht alle konnten sich eine Ziegelmauer leisten. Diese Ziegel wurden in Ziegel-Öfen gebrannt, die oft die einzigen "Industriebetriebe" im heutigen Burgenland gewesen sind. Die meisten konnten sich diese Ziegel gar nicht kaufen, weil sie kein Bargeld hatten. Sie mußten ihre Ziegel selbst "schlagen", also selbst herstellen. Dieses "Ziegelschlagen" war bis zum letzten Weltkrieg üblich. Es gab aber arme Bauern, die sich nicht einmal einen abgetragenen Ziegel leisten konnten. Diese mußten ihre Mauern mit Lehm errichten. So entstanden die "gesatzten" Wände. Zu Beginn hat man mit Brettern, die auch sehr teuer gewesen sind, eine Schalung in der Stärke der Mauer gemacht, dann in diese Schalung den Lehm, den man vorher mit Wasser und Häksei aufbereitet hatte, hineingegossen oder hineingestrichen. Aber mehr als 10 bis 20 cm hat man auf einmal nicht aufgetragen, denn der Lehm mußte jetzt lange stehen, um richtig zu trocknen. Dann wurde die nächste Lage aufgetragen. Bis eine solche Mauer hochgezogen war, konnten Monate vergehen. Für den Dachstuhl benötigte man vierkantige Balken. Dafür hat man einen Stamm Rundholz ("Bloch") genommen, diesen auf zwei Gestelle gegeben, wurde er mit einer breiten Hacke behauen, bis aus einem runden Baumstamm ein vierkantiger Balken geworden war. Um das Hacken in einer geraden Linie zu ermöglichen, haben die Zimmerleute eine Schnur in rote Farbe getaucht und diese dann auf das Bloch "geschnalzt". Entlang dieses geraden Striches wurde dann gehackt. Da in früherer Zeit die Leute Analphabeten waren, konnten sie auch nicht durch eine einfache Division eine Zahl teilen. Um das Dividieren zu umgehen, hat man eine Schnur genommen und diese in der Mitte abgeteilt. Das war dann die Hälfte. Ein nochmaliges Teilen war daher dann ein Viertel. Durch besonderes Geschick konnte man auch eine Strecke in sechs oder zehn Teile teilen. Beim "Aufziehen" des Dachstuhles mußte man besonders geschickt sein. Es war auch nicht ungefährlich. Es bedurfte auch einer besonderen Fertigkeit auf diesen Dachstuhl das Stroh abzubinden. So wurde ein "Schaab Stroh genommen, auf den Lattenrost gelegt und am oberen Teil verknüpft. Das kann heute im Burgenland kaum noch jemand. Natürlich war dieses Strohbündel vorher mit einem Dreschflegel gedroschen worden, damit die Halme ungebrochen blieben. Beim Durchdreschen mit einer Maschine sind ja die Strohhalme gebrochen und waren daher für das Decken unbrauchbar. Später hat man dann das Dach auch mit Ziegeln gedeckt. Dabei wurde eine lange Leiter an den Dachstuhl gelehnt, bei welcher etwa auf jeder dritten Sprosse eine Person, meistens war es ein größeres Kind, gesetzt wurde. Die Ziegel wurden dann von unten dem ersten gegeben, der dann den Ziegel über seinen Kopf hob und ihn dem nächsten weiterreichte. So ging es, bis der Ziegel oben ankam. Walter Dujmovits |